Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314234
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III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Thätigkeit entfaltete. S0 zunächst der Neue Bau, jetzt dem 
königlichen Kameralamt dienend, ursprünglich die kaiserliche 
Pfalz, in welcher schon im Mittelalter bei Gelegenheit der häu- 
figen Reichsversammlungen oder sonstiger Aufenthalte die Kaiser" 
ihr Absteigequartier hatten, daher er lange der Kaiser- oder 
Königshof hiess. Der aus dem Mittelalter rührende Bau wurde 
nach einem Brande in einfach derben Renaissanceformen wieder 
"hergestellt. In der etwas erhöhten Lage an der Blau, die unweit 
von dort in die Donau fliesst, erkennt man noch jetzt den Platz 
der mittelalterlichen Burg. Es ist ein weitläufiges, massiv aus 
Backsteinen errichtetes Gebäude, das einen unregelmässigen fünf- 
eckigen Hof umgiebt. Das Hauptportal nach der Nordseite ist 
sehr plump mit schweren facettirten Quadern eingefasst. An der 
Südseite sieht man zwei grosse rundbogige Portale, an welchen 
jedoch eine geschweifte spätgothische Spitze angedeutet ist, wie 
auch die Einfassung mit Rundstab und Kehle noch eine mittel- 
alterliche Reminiscenz verräth. Daneben links ein kleines Pfört- 
chen mit flachem spätgothischem Schweifbogen oder vielmehr 
Sturz, in ähnlicher Weise mit Rundstab und Kehle proiilirt, aber 
eingefasst mit kleinen dorisirenden Pilastern, in etwas roher und 
stumpfer Behandlung mit linearen Flachornamenten am Schaft 
ausgefüllt. Am Architrav liest man die verschlungenen Buch- 
staben des Ulmer Meisters Georg Buchmüller, sein Steinmetzzeichen 
und die Jahrzahl 1588. Das Hauptportal ist mit 1587 bezeichnet. 
Der wackre Ulmer Meister gehört zu jener Reihe deutscher Ar- 
chitekten, welche damals neben den Formen des neuen Stils noch 
zähe an mittelalterlichen Gewohnheiten festhielten. An den Fen- 
stern der Südseite sieht man hübsche Reste grau in grau aus- 
geführter decorativer Malereien, die hier wie überall in Ulm die 
Architektur begleiten. Auch im Innern des Hofes zeigen die 
Fenster Spuren von ähnlichen Ornamenten. An der Südseite 
desselbensind Arkaden im Rnndbogen auf unglaublich kurzen 
schwerfälligen Säulen, die sich zu einer zweischifiigen Halle mit 
Kreuzgewölben auf ebenfalls sehr kurzen dorisirenden Säulen 
vertieft. In der Mitte des Hofes steht ein achteckiges Brunnen- 
hecken mit schlanker zierlich behandelter Säule, am Postament 
Köpfe von ungeschickter Bildung, der Schaft kräftig ausgebaucht 
und oberhalb spiralförmig gewunden, mit einem korinthischen 
Kapital gekrönt, welches eine gute weibliche Figur trägt. In der 
südöstlichen Ecke ist ein Treppenthurm angebracht, die Treppe 
mit gewundener gothisch protilirter Spindel, oben mit einer hüb- 
schen Brüstung abgeschlossen, an welcher eine originelle Maske 
und das Monogramm des Meisters Peter Schelfelt, der also (liggg
        

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