Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314226
Kap 
Schwaben. 
Ulm. 
391 
Bekrönung ein kleiner über-eck gestellter Gloekenstuhl. Darunter 
befindet sich die Uhr mit dem grossen gemalten Zifferblatt, wel-  
ches den Thierkreis enthält und die Bewegungen der Erde und 
-des Mondes darstellt, 1580 von dem Strassburger Uhrmaßhel" 
Isaak Ilabrecht angefertigt oder wiederhergestellt. Im Uebrigen 
beweisen starke Spuren mehrfach erloschener Malereien, dass 
der ganze sehr schlicht ausgeführte und mit Stuck bekleidete 
Bau auf farbige Decoration berechnet war. Besonders lassen sich 
"noch beträchtliche Reste einer aufgemalten Maasswerkgalerie er- 
kennen, die sich unter den Fenstern des ersten Stoekes hinzog. 
Ebenso hatten die Fenster des zweiten Stockes aufgemalte Krö- 
nungen von Fialen und Wimpergen, während im Uebrigen die 
Flächen historische, wahrscheinlich biblische Darstellungen zeig- 
ten. An der Nordseite gegen eine enge Querstrasse hin ist das 
Erdgeschoss mit Arkaden durchbrochen, deren flache Bögen auf 
Rundpfeilern ruhen, die noch in mittelalterlicher Weise mit acht- 
eckigem Fussgesims und Kapitäl ausgestattet sind. Auch diese 
Facade ist ganz bemalt gewesen; in den Bögen zwischen den 
unteren Fenstern sieht man Spuren historischer Bilder, über den 
Arkaden zieht sich wieder eine breite Galerie von Fischblasen- 
mustern hin, und oben sieht man grosse Baldachine, bei welchen 
der Rundbogen jedoch vorherrscht, die Grundmotive indess durch- 
aus gothisch sind, das Ganze noch in der Verstümmelung präch- 
tig und phantasievoll. Merkwürdig ist an der Rückseite die erst 
162.5 ausgebaute Halle der städtischen Waage. Es ist ein im- 
posanter Raum, auf zwei Reihen einfacher Säulen basilikenartig- 
emporgeführt, das höhere Mittelschiff mit einem Tonnengewölbe, 
die Seitenschilfe mit einem Kreuzgewölbe bedeckt. Bei schlichter 
Behandlung der Formen wirkt das Ganze höchst bedeutend. 
Für die Datirung des älteren Baues ist die Jahrzahl 1539 
bezeichnend, welche man an einem gothisehen Nebenpförtehen 
der Nordseite liest. Das Innere bietet nicht viel, die Treppe 
führt steil ansteigend zu einem kleinen Portal, das mit sehr 
kindlich spielenden Renaissanceformen decorirt ist und jedenfalls 
ungefähr derselben Zeit angehört. Oben findet man den grossen 
Vorplatz, der allen damaligen deutschen Rathhäusern gemeinsam 
ist. Seine acht gothisch profilirten kräftigen Holzsäulen, mit 
mannigfachem Schnitzwerk ausgestattet, tragen in zwei Reihen 
die mächtigen Hauptbalken, deren Profile schon die Renaissance- 
form zeigen. Der Rathssaal ist unbedeutend, mit gothiseh pro- 
filirter Holzdecke. 
Die übrigen städtischen Bauten gehören dem Ende der Epoche 
an, wo sich grade hier eine überaus bedeutende architektonische
        

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