Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314144
Kap- 
Schwaben. 
Die Reiehsstädte. 
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sich ein gothischer Dachreiter mit einer Glocke erhebt, schliesst 
den Bau ab. An der östlichen, der Stadt zugewendeten Seite ist 
zwischen den Fenstern des oberen Geschosses das Wappen der 
Stadt in überaus zierlicher barocker Umrahmung angebracht, von 
zwei Hermen mit verschlungenen Schlangenschwänzen gehalten. 
Der Frührenaissance gehört das thurmartige hohe Eckhaus 
an der linken Seite des Marktes, das mit seinen wenigen kleinen, 
zum Theil gekuppelten Fenstern und den seltsam geschweiften 
Pilastern seines Giebels die spielende Willkür der beginnenden 
Renaissance-Epoche erkennen lässt. Auf der Ecke ist ganz oben 
ein diagonal gestellter Erker auf zwei verschobenen Bögen 
wunderlich genug heraus gebaut. Der Erker ist ebenfalls mit 
ausgeschweiften Pilastern und zwei Medaillonbrustbildern ge- 
schmückt. -,Etwas später datirt das Deutschordenshaus, 
dessen Gebäude eine malerisch wirkende Gruppe bilden, welche 
einen geschlossenen Hof umgeben. An dem rückwärts im Hof 
liegenden Gebäude ist ein polygoner Erker in energischer Pro- 
filirung vorgekragt und mit 1566 bezeichnet. Früher datirt aber 
der daneben liegende Bau i) mit stattlicher Freitreppe, recht- 
winkligem Erker vom Jahr 1548, welcher durchschneidende Stäbe 
von gothischer Profilirung zeigt. Dazu ein abgetreppter Giebel 
und ein kräftig behandeltes Portal. Die Freitreppe mit ihrer 
Balustrade gehört aber späterer Zeit. Dagegen sieht man an 
dem zurückliegenden Flügel ein Portal von 1550, ebenfalls mit 
gothisch durchschneidenden Stäben. Die Wendeltreppe, zu wel- 
chem, dasselbe führt, ist ebenfalls noch mittelalterlich in Form 
und Construktion. 
Der Privatbau der Stadt hält trotz des trefflichen Sandsteins 
der Umgebung während der ganzen Epoche am Riegelbau fest, 
und nur das Erdgeschoss pflegt in Stein aufgeführt zu sein. Da- 
bei kommen dann oft hübsche Oonsolen als Unterstützung der 
oberen Stockwerke vor.  
Hier möge eins der originellsten Bauwerke der Zeit ange- 
schlossen werden, obwohl es nicht zu den städtischen Gebäuden 
zählt. Südlich von Heilbronn unweit Besigheim liegt die Schloss- 
kapelle von Lieb ens tein, ein Prachtstück vom Ende der Epoche, 
am Chorgewölbe mit der Jahrzahl 1590 bezeichnet. Wie an den 
meisten kirchlichen Bauten der Zeit mischt sich dabei die Re- 
najssance mit gothischen Formen und Construktionen. Der Bau 
bildet ein Rechteck, das durch zwei korinthische Säulen in zwei 
Schiffe getheilt wird. Kreuzgewölbe mit gothisch profilirten 
Reiseskizzen, Heft 
1) Abbildung in Dollingefs 
Blatt
        

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