Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314120
Kap 
Schwab en. 
Die Reichsstädte. 
381 
sieht man sodann ein Zimmer, dessen einfache rippenlose Kreuz- 
gewölbe auf zwei elegant kannelirten korinthischen Säulen ruhen, 
deren Basis mit Engelköpfen und Cartouchenwerk geschmückt 
ist. Die Thüreinfassung und die Wandbekleidung mit ihren 
Schränken zeigt gut behandelte dorische Pilaster und "Priglyphen- 
friese, alles aus der Spätzeit des Jahrhunderts. Derselben Epoche 
gehört ein Zimmer im zweiten Stock, dessen tüchtig gearbeitete 
Cassettendecke auf Consolen mit der Jahrzahl 1596 ruht. Damals 
ist das Rathhaus offenbar einem durchgreifenden Umbau unter- 
worfen worden, denn 1593 liest man an dem kräftig und elegant 
ausgeführten Erkergiebel im Hintergebäude. Die beiden Porträt- 
medaillons desselben sind bemalt, die Pilaster elegant facettirt, 
die Spitze trägt auffallender Weise eine. gothische Fiale. Unter 
derselben sieht man einen kräftig behandelten bärtigen Kopf, 
wahrscheinlich das Porträt des Baumeisters. Derbe Voluten und 
geschweifte Glieder bilden den Umriss dieses originellen Giebels. 
Um dieselbe Zeit wurde in dem einspringenden Winkel rechts 
nebendem Rathhaus ein neuer Flügel angebaut, der in ähn- 
licher Weise mit Voluten geschmückt, aber statt der Pilaster mit 
schlanken korinthischen Halbsaulen gegliedert, die Ecken und 
die Spitze mit schlanken feinen Pyramiden besetzt, das Ganze 
ein Werk von grosser Eleganz. Auch das stattliche Bogenportal 
mit seinen verjüngten Pilastern und den reichen barock spielen- 
den Details zeigt dieselbe Feinheit. Derber ist dagegen die 
Facade des daneben liegenden Oberamtsgebäudes, welches 
ehemals das Syndikat der Stadt enthielt. Stammige Pilaster, 
breit gezogene Voluten und kurze Pyramiden auf den Ecken 
schmücken den Giebel, aber alle diese Formen stehen unter sich 
wieder in wohlberechneter Harmonie, so dass hier der Eindruck 
solider Kraft eben so bestimmt erreicht ist wie an dem Giebel 
nebenan zierliche Schlankheit. Der Bau gehört jedenfalls erst 
dem Ende des 16. oder dem Anfang des 17. Jahrhunderts an. 
Dieselbe Derbheit der Formen, aber wieder in anderer Umbildung, 
zeigte der Giebel des gleichzeitig erbauten kürzlich abgebrochenen 
Katharinenspitals, welcher in Fig. 96 abgebildet ist. 
Von den übrigen städtischen Bauten ist die um dieselbe 
Zeit entstandene Fleischhalle ein gediegenes gleichfalls in 
solidem Quaderbau ausgeführtes Werk. Der Bau bildet unten 
eine zweischifüge offene Halle, mit Stichbögen auf kräftigen 
dorischen Saulen, sechs Arkaden an den Langseiten, zwei an 
den Sghmalgeiten. Auf den Ecken ruht die Mauer auf kräftigen 
Pfeilern, an deren Seiten Halbsaulen dem übrigen System am 
sprechen. Im Innern zieht sich der Lange nach eine Reihe von
        

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