Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313960
K89 
Schwaben. 
Stuttgart. 
365 
kamen. In der Mitte beider Langseiten führten prachtvolle Por- 
tale in den Saal und über denselben und den angrenzenden 
Loggien waren Zimmer, in welchen die Musik verdeckt aufge- 
stellt werden konnte. Die gewölbte Decke dieser Emporen ruhte 
in der Mitte auf einer hölzernen Säule. Rings um die Wände 
des Saales zogen sich Bänke für die Zuschauer. Die ersten 
Singspiele und Ballette, in welchen die prunkvolle damalige Zeit 
sich gefiel, wurden hier aufgeführt, wobei auch in akustischer 
Hinsicht der Raum sich als tadellos erwies. Unterhalb des Baues 
lag ein kleiner See mit springenden Wassern, auf welchem im 
Anfang des 17. Jahrhunderts ein venetianischer Gondolier mit einer 
Gondel angestellt war.1)- 
Das gleiche Schicksal ider Zerstörung hat den sogenannten 
Neuen Bau betroffen, welchen Herzog Friedrich I südlich vom 
Schlosse von 1600 bis 1609 durch Heinrich Schickhardl aufführen 
liess. Obwohl derselbe 1757 im Innern ausbrannte, war das aus 
prächtigen geschliffenen Quadern solid aufgeführte Gebäude noch 
so wohl erhalten, dass es zwanzig Jahre später nur mit grosser 
Mühe niedergerissen und dem Erdboden gleich gemacht werden 
konnte. Wir geben nach einer alten Abbildung 2) unter Fig. 92 
eine äussere Ansicht. Es War ein Prachtwerk, im Verhältniss 
zu den sonstigen Ausartungen der Zeit ungewöhnlich rein und 
streng durchgeführt. Nur die Krönungen der Fenster und der 
Portale zeigten durchbrochene Giebel und andere Barokformen. 
Auf den vier Ecken traten quadratische Thürme vor, welche 
Eingänge enthielten. In der Mitte der Facade nahm ein ähn- 
licher Vorbau, der über dem Dache erkerartig abschloss, das 
Hauptportal auf. Diese vertretenden Theile waren mit Eck- 
pilastern gegliedert, sämmtliehe Fenster des hohen dreistöekigen 
Baues mit antiken Gliederungen kraftvoll eingefasst. An den 
Fenstern der Erker zeugten reich durchbroehene Balkone von 
einer Aufnahme südlicher Sitte, während die lebendige Vertikal- 
gliederung', die Pavillons mit ihren Kllppßldäßhßrll, die 11011611 
geschweiften Giebel und das mächtige abgewalmte Hauptdach 
nordische Gewohnheiten vertraten. Im Innern enthielt das Erd- 
geschoss Stallungen, darüber lag ein prachtvoller Saal, 124 Fuss 
1) Vg-L „Kurtze Beschreibung dessjenigen was von einem Fremden in 
      
auf dem daselbstigen Lust-Haus, Neuen Bau, Kunst-Kammer, Grotten etc; 
item an andern Gebäuen und Stjieken Merekvyürdiges zu sehen." Ohne 
Jahrzahl, aber nach 1733 ersehlenen.  2) E111" nach {lem Brande ausge- 
führtes Oelgemälde, den Bau ebenfalls von der Sudostselte darstellend, auf 
der Hofdomänenkammer zu Stuttgart.
        

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