Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313903
Kap. 
Schwaben. 
Stuttgart. 
359 
gross wie die alte, mit steinernen Schranken umgeben; oben und 
unten bei jedem Eingang zwei Pyramiden von 44 Fuss Höhe, 
in der Bahn zwei Säulen mit den Bildern des Merkur und der 
Venus. 
Hier schloss sich nun das Neue Lusthaus an, welches 
Herzog Ludwig nach der gewöhnlichen Angabe von 1580 bis 
1593 durch seinen Baumeister Georg Beer ganz aus Quadcrsteinen 
errichten liess, und welches im Jahre 1846 leider zerstört wurde, 
um an seiner Stelle ein ungewöhnlich hässliches Theater zu er- 
bauen. Allein da Meister Beer in einer Eingabe vom 7. October 
1586 sagt, er sei bereits „in das elfte Jahr bei diesem Bau", so 
muss derselbe mindestens schon 1575 begonnen worden sein. 
Damit stimmt ein Erlass des Herzogs von 1574 an Aberlin Tratsch, 
betreffs Herbeischaffung des Holzes zum Pfahlrost für die Fun- 
damente des Baues. Als zweiter Baumeister wird damals Jakob 
Salzmamz genannt. Im Jahr 1577 kommt neben diesem noch Hans 
Korb vor, 1579 aber erscheint neben Salzmann Georg Beer, der 
nach seiner eigenen Aussage indess schon früher dabei thätig 
war. Von ihm rührt auch der ausführliche, äusserst lehrreiche 
Kostenüberschlagj der sammt den übrigen hier erwähnten Acten 
im Archiv zu Stuttgart bewahrt wird. Der Bau ist darin auf 
54,670 fl. berechnet, wird aber schwerlich für diese Summe her- 
gestellt worden sein. Interessant ist noch ein herzogliches Mo- 
nitorium vom Jahre 1586, welches die Baumeister Wegen lang- 
samen Vorschreitens des Werkes zur Verantwortung zieht. Hierauf 
rechtfertigt sich Beer unterm 7. Octoher desselben Jahres, indem 
er die Schwierigkeit einer solchen Bauführung geltend macht. 
Man könne nicht rascher vor-schreiten, auch sei das Steinwerk 
sauber und wohl gehauen. Er sei nach Hirsau beordert worden, 
habe ausserdem im Garten und im Schloss, auch sonst noch an 
andern Stellen zu bauen, könne desshalb nicht immer Alles im 
Auge behalten. Vor sechs Jahren, „da der Salzmann seliger noch 
gelebt", habe er neben diesem die Hauptgebäu versehen, Jörg 
Burckh aber habe "die schleissenden Gebau" unter sich gehabt. 
Seit Beide gestorben, liege jetzt Alles auf Ihm. Da ihm aber 
„d_ie grauen Haare nahen" und er wegen seines Alters nicht 
Alles mehr versehen könne, bitte er, ihm einen zweiten Bau- 
meister beizugeben. Wie es scheint, wurde diese Rechtfertigung 
angenommen, und der Meister vollendete gegen 1593 den Bau. 
Dass Wende! Dietterlein 1591 im Lusthaus malte, haben wir schon 
oben (S. 152) erfahren. 
Der herrliche Bau hatte weder in noch ausser Deutgghland 
seines Gleichen. Bei einer Länge von 270 Fuss war er 120 Fuss
        

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