Schwaben.
Stuttgart.
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schmückung des Schlosses Bildwerke aus Seide und Wolle zu
weben. Bis 1570 wurden 22 Gemächer im oberen und unteren
Stock mit solchen Tapeten ve1'sehen, welche biblische Geschichten
darstellten und die für jene Zeit enorme Summe von 13,621 tl.
34 kr. kosteten. Als Maler war dabei ein Nicolazzs von Orley be-
schäftigt. Bei dem Brande, welcher 1569 den Tanzsaal betraf,
verbrannte ein Theil der Teppiche, welchen Moriiz de Carmis,
des Obigen Sohn, 1574 wieder herstellte. Noch 1664 liess man
ähnliche Tapeten aus den Niederlanden kommen.
Von der ganzen prächtigen Ausstattung ist nichts mehr vor-
handen. Was von Wandteppichen sich noch lindet, gehört spä-
terer Zeit an. Im zweiten Stock der Nordseite zeigt ein grosses
Gemach an der Decke und der Eingangswand eine prachtvolle
Stuckdecoration in derben, aber schwungreichen Barockformen
etwa aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Dagegen ist die Ka-
pelle, welche lange Zeit zur Hofapotheke degradirt War, neuer-
dings durch Tritschler würdig wieder hergestellt worden. Sie
nimmt in einer Breite von 24 und einer Länge von 80 Fuss den
ganzen südlichen Flügel ein. Die Altarapsis ist eigenthümlicher
Weise in der Mitte der Langseite, dem untern Eingang gegen-
über, südwärts vorgebaut. Ein reiches gothisches Netzgewölbe
von prächtiger Ausführung bedeckt die Kapelle, ein schönes
Sterngewölbe die Apsis. Den unteren Eingang bildet ein Portal
mit korinthischen kannelirten Säulen auf reich decorirten Posta-
menten. Im oberen Stock ist ein ähnliches Portal mit laub-
geschmückten Pilastern ionischer Ordnung angebracht, diese bei-
den noch aus Herzog Ohristophs Zeit. Dagegen gehört ein zweites
oberes Portal rechts von dem ersten zu den prachtvollsten Schö-
pfungen der späteren Renaissance, wahrscheinlich unter Herzog
Friedrich I allem Anscheine nach durch Schickhardt ausgeführt.
Dass damals an dem Schlosse gearbeitet wurde, erkennt man
an der Jahrzahl 1594, welche über dem inneren Thorbogen des
nördlichen Schlossportals _sich befindet. Dies spätere Kapellen-
portal ist mit reichen Hermen, mit üppigen riemenartigen Orna-
menten, mit Voluten und Cartouchen in den ausschweifenden
Formen der Spätzeit, sehr barock, aber gleichwohl überaus ge-
schmackvoll ausgestattet.
Den schönsten Eindruck machen aber immer wieder die
Arkaden des Hofes (Fig. 88), dieser wahrhaft classische Renais-
sancebau aus der Zeit des Herzogs Christoph. Kurz und stämmig-
sind die Säulen (vgl. Fig. 32), in drei Geschossen von derselben
Ordnung, mit kannelirten Schäften, runden Untersätzen, kraft-
vollen Gurtbändern und frei behandelten korinthisehen Kapitälen.