Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313853
354 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
ist der ganze Flügel im Erdgeschoss mit einem schmalen niedri- 
gen Gange zur Communikation umgeben. 
Ueber der Türnitz erheben sich zwei Stockwerke, die sich 
schon durch die grosse Reittreppe als die Haupträume des alten 
Schlosses verrathen. Hier gelangte man "zu den uralten Zimmern 
der Vorfahren". Der Estrich war von Gips und gegossenem Stein 
in mancherlei Figuren, die Balken kunstreich geschnitzt, die Ge- 
mächer schön getäfelt, mit "Marmelstein und Sehnitzwerk" geziert. 
Im mittleren Stooke befand sich namentlich der Rittersaal, im 
16. Jahrhundert gewöhnlich Bitterstube genannt, der wichtigste 
Repräsentationsraum des Schlosses. Von hier datirte Herzog 
Christoph in der Regel seine Resolutionen; hier erschienen die 
Vertreter der Landschaft, um die fürstlichen Propositionen zu 
vernehmen; hier überreichte der fürstliche Bräutigam, nachdem 
die Beschlagung der Decke erfolgt, der Braut die Morgengabe, 
und empfing das Brautpaar die Geschenke der Gäste. Hier war 
auch die fürstliche und die Marschallstafel, letztere in der Regel 
mit 166 höheren Beamten und Hofdienern an mehreren Tischen 
besetzt. Neben dem Saale lag des Herrn Gemach und seine 
Schneiderei, wo der Kammerschneider arbeitete. Der zweite 
Stock enthielt „das Frauenzimmer", d. h. die Wohnung der fürst- 
lichen Familie. „Stuben und Kammern sind gar heimlich still. 
Da pflegt man zu sticken, zu wirken und zu nähen". Nament- 
lich werden angeführt der Herzogin und der Fräulein Gemach, 
die Jungfrauenstuhe, die Kinder- und Schulstube und der Her- 
zogin Schneiderei.  
Der anstossende nördliche Flügel enthielt im oberen Ge- 
schoss den grossen Tanzsaal mit feinem eingelegten 'l'äfelwerk, 
die Wände mit köstlichen seidenen Tapeten gleich den übrigen 
Zimmern behangen. Hier wurden Prälaten und Landschaft nicht 
selten gespeist, und bei fürstlichen Hochzeiten jene glänzenden 
Bälle" gehalten, wobei dem Brautpaar je zwei Fürsten vor und 
zwei Adlige mit Windlichtern nachtanzten. Unter dem Saale 
lag die Küche, wo ein Brunnen plittschcrte und die Bratspiesse 
vom Wasser getrieben wurden. Die kolossalen 85 Fuss hohen 
Kamine, welche auswärts vor der Mauer sich erhoben, wurden 
erst in neuerer Zeit abgebrochen. Ausserdem war hier im Erd- 
geschoss die mit Zinn verkleidete fürstliche Badstube. Der west- 
liche Flügel enthielt im Erdgeschoss die Apotheke, die Trabanten- 
stube, das Gewölbe mit den Kleiderstoücn und andere Dienst- 
räume, alles in trefflich gewölbten Gemächern. Herzog Christoph 
liess 1564 den „Dappizierer und Patronenmaler" Jalvob von Cammk, 
Bürger zu Köln, mit seinen Leuten kommen, um zur Aus-
        

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