Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310522
K31) 
deutschen 
des 
Renaissance 
Die 
Geistes. 
naive Ton über die Art, wie die Türken mit ihren Frauen um- 
gehen, namentlich dass die Weiber die Freiheit haben, sich bei 
dem Richter zu beklagen, wenn der Mann ihnen nicht ihr ge- 
bührendes Recht thut, und dass dieser dann gestraft und unter 
Androhung grösserer Strafe gezwungen wird, sie zufrieden zu 
stellen, „ da wir dagegen, wie er hinzusetzt, sonderlich unter uns 
Deutschen, den Weibern dafür die Haut vollschlagen." 
Die grösste Anziehungskraft behauptet freilich jetzt auch 
Italien, und nicht gering ist der Einfluss, den die Reisen dort- 
hin schon damals auf die Weltbildung und den Schönheitssinn 
der Deutschen gewonnen haben. Dafür liegt uns ein anschau- 
liches Beispiel in dem Reisebericht des Ulmcrs Samuel Kiechell) 
Vor, der, nachdem er Vorher schon Frankreich und Paris besucht 
hatte, im Jahre 1585 eine fünfjährige Reise durch Deutschland, 
nach England und Italien bis Sicilien ausführte. Ueberall zeigt 
61' ein offenes Auge für die Eigenthümlichkeiten der fremden 
Länder und Städte, deren Merkwürdigkeiten er eifrig nachgeht, 
Wobei er sich oft dem Gefolge vornehmcr Herren einzuschmuggeln 
Weiss, wenn es gilt, schwer zugängliche Kostbarkeiten zu sehen, 
Wie im Schatz von San Marco zu Venedig und in der Peters- 
kirche zu Rom. Was ihm dabei als bemerkenswerth auffällt, ist 
eben so bezeichnend für seinen geistigen Horizont, wie das was 
er übergeht. So beachtet er zu Prag?) die herrliche Brücke mit 
ihren vielen Jochen und im Hradschin den gewaltigen "ohne 
Pfeiler gewölbten Saal." Auch das "schöne Lusthaus" daselbst 
(er meint das zierliche Renaissancewerk des Belvedere) ist seiner 
Aufmerksamkeit nicht entgangen. In Dresden notirt er die schöne 
Brücke, die breiten Strassen, die aus Stein erbauten Häuser. 
Letztere mussten wohl dem an den Fachwerkbau seiner Heimath 
gewöhnten Ulmer imponiren. Nach England gelangt, bewundert 
81' sodann in der Westminster-Abtei die Grabmäler, "zum Theil 
von weissem Marmor, andere von Alabaster, künstlich und zier- 
lich von ganzen Personen gehauen".3) Besonders interessant ist 
Sein Bericht vom Londoner Theater, dessen Einrichtung mit den 
Logenreihen _sein Staunen erregt. Nach Deutschland zurück- 
gekehrt, berichtet er in Köln von dem nicht ausgebauten Dom, 
in Münster fallen ihm die Arkaden der Strassen auf, die er als 
Weitgereister Mann mit denen zu Padua und Bologna vergleicht. 4) 
In Italien iSt ES Zuerst Venedig, dessen Pracht ihn in Erstaunen 
 Die Reisen des Samuel Kiechel, herausg. von Hassler, 
Ver. Bd. sß.  ß) A. a. 0. S. s.  H) A. a. 0. S. 23.  A) A. 
lit. 
46.
        

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