Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313684
Kap" 
Schwaben. 
Heinrich 
Schiekhardt. 
337 
war, erkennt man aus manchen Stellen seiner Aufzeichnungen. 
Auch im Französischen mag er einige Kenntnisse erworben haben, 
da er wiederholt längere Zeit in den damaligen überrheinischen 
Besitzungen der würtembergischen Herzoge beschäftigt war. Auch 
fanden sich in seiner Bibliothek sowohl französische als italie- 
nische Bücher, wie er denn auch letztere Sprache auf wieder- 
holten Reisen im Süden wohl kennen gelernt hat. Dass indess 
von tieferen Sprachkenntnissen und einer eigentlich gelehrten 
Bildung bei ihm nicht die Rede war, liegt auf der Hand. Offen- 
bar hat er schon früh sich der Baukunst zugewendet, und bei 
seiner Ausbildung ist die Rücksicht auf seinen künftigen Beruf 
bestimmend gewesen. Aus seinen eigenen Aufzeichnungen erfahren 
wir, dass er 1578, also mit zwanzig Jahren, zu dem herzoglichen 
Baumeister Georg Behr gekommen und 1581 an der "Visirung" 
zum neuen Lusthaus geholfen habe. Sehr rasch entfaltete sich 
seine Begabung, denn schon 1579 erbaute er selbständig das 
Schloss zu Stammheim, und im folgenden Jahre dasjenige zu 
Mötzingen, sowie zwei Privathäuseriin Stuttgart. -Im Jahre 1584 
verheirathete er sich in seiner Vaterstadt und wurde dort bald 
darauf trotz seiner Jugend in den Magistrat gewählt. Dort scheint 
er die nächsten Jahre ununterbrochen verweilt zu haben, bis 
Herzog Ludwig 1590 ihn nach Stuttgart berief, um gemeinschaft- 
lich mit Behr die abgebrannte Stadt Schiltach neu aufzubauen. 
Aber noch 1593 tinden wir ihn bei Ausführung des Oollegiums 
zu 'l'übing'en bei diesem Meister in Diensten. In demselben Jahre 
wurde er sodann zum zweiten Male nach Stuttgart berufen und im 
Auftrage des Herzogs nach Mömpelgard geschickt. Um diese Zeit 
muss er zum herzoglichen Baumeister ernannt worden sein, denn 
1596 schenkt Herzog Friedrich ihm in Stuttgart in der Nähe des 
Bauhofes ein Haus sammt Materialien zum Neubau, den er dann 
sofort ausführt." Im Januar des folgenden Jahres ehrte Herzog 
Itriedrich seinen Baumeister dadurch, dass er ihn in dem neuen 
Hause besuchte und reichlich beschenkte. Eine vielseitige prak- 
tische Thätigheit füllt die nächsten Jahre aus; wir finden Schick- 
hardt nicht bloss in Cllübingen beim Bau des dortigen Collegiums 
beschäftigt, sondern zahlreiche Schlossbauten in Schwaben und 
im Elsass und manche andere Werke, wie der Bau der Kirche 
zu Grünthal und die Einrichtung eines Gesundbrunnens und Bades 
zu B011 rühren aus dieser Zeit. 
Bis dahin hatte der Meister seine Kenntnisse in der höheren 
Architektur wohl hauptsächlich aus Büchern geschöpft. Zu An- 
fang des Jahres 1598 machte er sich aber nach Italien auf und 
blieb fünf Monate dort. Von dieser Reise giebt ein mit Zeich- 
Kugler. Gesch. d. Baukunst. V. 22
        

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