Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313663
Schwaben. 
Bauten. 
FÜPSÜiChB 
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höheres künstlerisches Interesse. Hauptsächlich trägt dazu das 
prächtige, wenn auch nur in Holz ausgeführte Gewölbe bei, 
welches die Formen eines reichen, schön componirten gothischen 
Netzgewölbes zeigt. Es ist noch ganz in mittelalterlicher Weise 
polychromirt, blau und schwarzbraun bemalt mit reicher Ver- 
goldung. Alle Durchschneidungspunkte sind mit Wappen ge- 
schmückt; im Gentrum der grossen Diagonale, in welcher sich 
beide Schiffe treffen, sieht man ganz gross das würtemberg-ische 
Wappen, umgeben mit der Kette und der Devise des englischen 
Hosenbandordens. In der nächsten Umgebung sieht man die 
Wappen der benachbarten und verwandten Fürstengeschleehter, 
Weiterhin diejenigen der Klöster, Städte und Markttleeken des 
damaligen Herzogthums. Das Ganze ist von ausserordentlicher 
Pracht. Nicht minder reich sind die übrigen Theile ausgestattet- 
An der Brüstung der Emporen sieht man 26 in Stuck ausgeführte 
Reliefs biblischer Geschichten, prächtig bemalt und vergoldet- 
Dic Consolen, auf welchen die Empore ruht, zeigen barocke 
Voluten und Masken, blau, weiss, Gold und die nackten 'I'l1eile 
tleischfarben bemalt, darüber ein Fries mit weissen, theils ver- 
goldeten, etwas mageren Blumenranken, darin allerlei Thiere, 
Kätzchen, Vögel, Schlangen ihr Wesen treiben. Dann erst folgt 
die eigentliche Balustrade mit 28 Gestalten von Propheten und 
Patriarchen, weiss mit Gold in manierirtem italienischen Stil, da- 
zwischen die reich bemalten biblischen Reliefs, abwechselnd aus 
dem alten und neuen Testamente, so dass hier noch einmal ein 
Anklang an die typologischen Bilderkreise des Mittelalters ge- 
geben istß) Gleichzeitig mit diesen Werken ist die Ausstattung 
des Altars. Auch hier kommt die Gothik noch einmal zur Geltung, 
denn in spitzbogigen Nischen, deren Bögen den Dreipass zeigen 
und mit barocken Masken geschmückt sind, sieht man manierirte 
keck gearbeitete Statuetten der Apostel. Ein trettliches Gitter 
von Schmiedeeisen umgiebt den Altar, hinter welchem ein aus- 
drucksvoll gearbeitetes Cruziüx aus älterer Zeit, wahrscheinlich 
aus dem Kloster Alpirsbach, anfragt. Endlich ist auch die Kanzel 
sammt ihrem Aufgange reich geschmückt mit bemalten Stuck- 
1) Der Inhalt ist: Schöpfung der Thicre, Verkündigung, Sündenfall, 
(ieburt Christi, Sündiiuth, Jonas, Beschneidung, 'I'aufe Christi, Passah- 
mahl, Abendmahl, Jacob mit dem Engel i-ingend, Christus in Gethsemane, 
Anbetung der Schlange, Christus am Kreuze, Jonas vom Wallfisch aus. 
gespieen, Auferstehung Christi, Elias Himmelfahrt, Christi Himmelfahrt, 
Moses auf Sinai, Ausgiessung des h. Geistes, drei Männer im Feuerofen, 
Bekehrung des Saulus, Salomons Urtheil, Christus als Weltrichter, zum 
Schluss das jüngste Gericht.
        

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