Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310508
Geistes. 
Die Renaissance des deutschen 
19 
Schöpfung des Handwerkers, in der gothischen Epoche mehr als 
jemals der eonventionellen Schablone unterworfen, gewinnt jetzt 
das Gepräge eigenartiger Künstlersehaft, selbst auf die nicht 
immer vermiedene Gefahr, in's Wunderliche, Baroke, Kaprieiösc 
auszuarten. Zugleich treibt die Entfaltung der Wissenschaft zu 
einer Menge technischer und mechanischer Erfindungen, die frei- 
lich bisweilen in künstliche Spielereien sich verloren. Nicht bloss 
allerlei Automaten, eomplicirte Uhrwerke, Kunstschränkc mit 
überraschenden Geheimnissen, sondern selbst Probleme wie die 
Herstellung des Perpetuum mobile beschäftigen manchen kunst- 
reichen Meister. Besonders diejenigen Gewerbe, welche für die 
prächtige Ausstattung der Wohnung und der Menschengcstalt 
selbst arbeiten, erfreuen sich glänzender Piiege. S0 namentlich 
die Goldsehrniedekunst, mit welcher sich Emaillirung und die 
Arbeit in edlen Steinen verbindet. Kaum hat je eine andere Zeit 
einen grösscrn Luxus in Schmucksachen, kostbaren Gerathen und 
Gefässen, Möbeln und andern Dingen des Hausrathes und der 
Ausstattung getrieben. 
Hand in Hand mit dieser Entwickelung der Gewerbe geht 
nun die Ausbreitung des Handels. Während Frankreich damals 
im Wesentlichen von den Nachbarlandern abhängig bleibt, er- 
greifen die deutschen Städte mit Energie jede Gelegenheit, ihren 
Handel nicht _bloss nach Italien und über Italien hinaus bis zum 
Orient zu erstrecken, sondern sich ebenso durch Frankreich mit 
dem Mittelmeer und durch die Niederlande mit Westindien in 
Verkehr zu setzen. 1) Zugleich fand über Emden eine Verbindung 
mit England statt, während über Leipzig, Breslau und Prag der 
Verkehr nach dem Norden und Osten, nach Russland und Polen 
seinen Weg suchte. Augsburg und Nürnberg, daneben auch Ulm 
bilden den Mittelpunkt des süddeutschen Handels, der bis tief 
nach Ungarn hinein selbst über Wien lange Zeit das Ueber- 
gewicht behauptet. Jeden sich neu eröffnenden Weg weiss der 
deutsche Handel für sich zu ersehliessen und bis gegen das Ende 
dieser Epoche sich in seiner Bedeutung zu behaupten. Oftmals 
wurden nicht bloss die deutschen Kaiser, sondern auch die Könige 
von Frankreich und Spanien Schuldner der deutschen Kaufleute, 
Wofür den Letztem mancherlei Handelsprivilegien bewilligt wurden. 
Die grossartige Bedeutung von Hausern wie die Fugger und die 
Weiser zu Augsburg ist Weltbekannt. Von der Rührigkeit des 
Strebens und der Vielseitigkeit der Beziehungen giebt u. A. des 
Ulmer Kaufherrn Ott Ruland's Handlungsbuch schon im I5. Jahr- 
 Ueber alle diese Verhältnisse vgl. Joh. 
Ilandels Bd. II. 13 H, 40 fgm, 59, (il etc. 
Falke, 
Gesell. 
deutschen
        

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