Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313625
Kap 
Schwaben. 
Fürstliche Bauten. 
331 
so feine als prächtige Wirkung. Dazu koimnen endlich noch 
zwei reich ausgestattete Portale, ebenfalls in den bereits stark 
barocken Formen der späten Renaissance behandelt, das eine 
namentlich mit durchbrochenen Säulen eingefasst und mit eben- 
falls durchbrochcncn Obelisken bekrönt. Ueber der Hauptthür 
sieht man das würtembergische Wappen, verbunden mit dem 
brandenburgischen, was nach Professor Haakh's Bemerkungl) 
auf Herzog Johann Friedrich und seine Gemahlin Barbara Sophia 
von Brandenburg deutet. Die verbundenen Namenszüge beider 
findet man an dem kleineren Portale. Die Beschläge an den Thü- 
ren, aus prächtig verschlungenen Ornamenten mit phantastischen 
Fratzenbildern bestehend, sind vergoldet. Ebenso waren die, jetzt 
überstrichenen Beschläge der Fensterrahmen. Die Wappen mit 
den Namenszügen desselben Herzogs und seiner Gemahlin kehren 
noch einmal an dem prächtigen Ofen wieder, welcher noch von 
der alten Ausstattung vorhanden ist. Der untere Theil, aus Eisen 
gegossen, ruht auf vier Sirenen und trägt die Buchstaben E. H. Z.W. 
welche Professor Haakh mit Recht auf Eberhard III, Sohn Johann 
Friedrichs bezieht. Der obere Aufsatz ist in Thon gebrannt, weiss, 
roth und gelb bemalt, auf den Ecken mit Hermen und Karyatiden, 
in der Mitte Figuren von Tugenden in Flachnischen, auf den Vor- 
sprüngen des Gesimses Hirsche la-gernd. In Üebereinstimmung 
mit all diesen Arbeiten steht aussen im Flur über der Kaminthür 
die Jahrzahl 1612. Noch ist die prächtige Bettstatt mit eingeleg- 
ter Arbeit, besonders mit sehr schönem Betthimmel zu erwähnen, 
in welcher Professor Haakh, geleitet durch das würtembergische 
und bairische Wappen, das schicksalschwere Ehebett Herzog 
Ulrichs nachgewiesen hat, welchem Herzog Christoph entspross. 
Unter den fürstlichen Bauten vom Ausgang der Epoche ge- 
hören diejenigen zu Freudenstadt schon deshalb zu den merk- 
würdigsten, weil sie uns das Bild einer lalamnässigen Stadtanlage 
jener Zeit vergegenwärtigen. Auf einem Hochplateau des Schwarz- 
waldes gelegen, das unmittelbar westlich von der Stadt in die 
tiefen malerischen Schluchten des Kniebis abfällt, wurde Freuden- 
stadt durch Herzog Friedrich I 1599 gegründetä) und nach den 
Plänen Schickhardfs erbaut. Den Anlass zur Gründung gab die 
Vertreibung der Protestanten aus Oesterreich, Kärnten und Steier- 
mark, welchen Herzog Friedrich in" seinem Lande eine Freistatt 
bot. Da unter ihnen viele Bergleute sich befanden, so wies er 
1) Ich verdanke diese und andere historische Notizen einer gediegenen 
Abhandlung dieses ireif liehen Gelehrten, welcher baldige Veröffentlichun  
durch den Druck zu wünschen wäre.  2) Das Historische in der Besgh? 
des Oberamts Freudenstadt. S. 154 ff. '
        

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