Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313613
330 
III. 
Buch 
Renaissance in 
Deutschland. 
baute, zum Theil aber aus der Zeit Eberhard's im Barte zu 
datiren. Seinen Wahlspruch "Attempto" mit dem Symbol des 
Palmbaums erblickt man prächtig gemalt an dem flachen Tonnen- 
geivölbe des Portalbogens und dazu die Jahrzahl 1474, wenn 
auch wahrscheinlich in einer späteren Erneuerung des ursprüng- 
lichen Bildes. Um dieselbe Zeit ist manches andere künstlerische 
Werk dort ausgeführt worden, denn von 1472 datirt der Betstuhl 
des Herzogs in der Kirche, und 1481 liest man unten am Glocken- 
thurm derselben. Wenn auch alle diese Arbeiten nicht ausschlicss- 
lieh das gothische Gepräge trügen, so würde gleichwohl die künst- 
lerische Ausstattung des Saales im Schlosse unmöglich in diese 
Zeit gesetzt werden können, da ihre Formen um mindestens ein 
ganzes Jahrhundert später datiren. Dieser Saal, wegen seiner 
reichen Bemalung und Vergoldung der goldene genannt, bietet 
den einzigen Rest der ehemaligen Ausstattung des Schlosses. 
Nach der Sitte der Zeit und des Landes ist es ein niedriger, fast 
quadratischer Raum, bei 56 Fuss Lange und 42 Fuss Breite nur 
12 Fuss hoch. Er empfängt ein reichliches Licht aus den zahl- 
reichen Fenstern, welche die beiden Aussenwande fast vollständig; 
durchbrechen. Durch dies reichliche Licht und die prächtige Be- 
malung gewinnt der Raum einen festlich heiteren Charakter. Die 
hölzerne Decke, die in ihren länglichen Feldern mit zierlich 
leichten vergoldeten Zapfen geschmückt ist, ruht auf vier in 
quadratischem Abstand errichteten Säulen, welchen in den Ecken 
Dreiviertelsaulen, an den Wandflächen Pilaster entsprechen. Schon 
die stark ausgebauchte Form der letzteren, nicht minder auch 
die Postamente, auf welchen sämmtliche Stützen ruhen, und die 
Form der korinthisirenden Kapitale sowie die über denselben 
angebrachten kräftig profilirten Aufsätze sprechen für die Spät- 
zeit der Renaissance. Dasselbe Gepräge tragen die ornamentalen 
Malereien an den Wänden, welche das Cartouchenwerk der Spät- 
renaissance zeigen. Alles dies gehört einem Umbau, der frühe- 
stens in den Ausgang des '16. Jahrhunderts zu setzen ist. Wohl 
aber mögen dabei die Palmbaume mit dem Wahlspruch Herzog 
Eberhards, welche überall in den Wandfcltlcrn sich wiederholen 
und ein sehr ansprechendes Motiv der Decoration gewähren, 
Nachbildungen von Wandgemäldcn aus der Zeit des ersten Er- 
bauers sein. Bezeichnend ist dafür, dass die Schriftzüge noch 
die gothische Minuskel der früheren Epoche bewahren, während 
die Spatrenaissance sonst der römischen Majuskel den Vorzug- 
giebt. Die gesammte Decoration, hauptsächlich in Braunroth, 
Weiss und reicher Vergoldung- durchgeführt, dazu die schon 
stilisirten Palmenbaume mit ihrer Blätterkrone, macht eine eben
        

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