Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313596
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Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
len, am Sockel hockende Männer, am Kapital Masken mit Laub- 
werk, der obere Bogenabschluss mit Delphinen und Medaillen- 
köpfen, sowie mit vergoldeten Rosetten auf blauem Grund präch- 
tig geschmückt. Diesem gegenüber ein etwas einfacheres Portal 
mit Pilastern, deren Kapitale in eleganter Weise frei componirt 
sind. Der obere Aufsatz mit kleinen Pilastern, dazwischen das 
trefflich geschnitzte würtembergische Wappen, reich bemalt und 
vergoldet. Sodann eine Kassettendecke mit Rautenfeldern, ein- 
fach doch wirksam proiilirt, das Rahmenwerk ebenfalls blau be- 
malt. Neben diesen Renaissanceformen findet sich aber noch 
eine kleine steinerne Thür mit dem spätgothischen Schweifbogen. 
Noch ist der gewaltigen unterirdischen Räume des Schlosses zu 
gedenken, die in Grossartigkeit der Anlage und Solidität der 
Construktion dem Uebrigen nicht nachstehen. Unter dem Ritter- 
saale erstreckt sich der hochgewölbte Keller mit dem Fass, „das 
grosse Buch" genannt, welches Herzog Ulrich 1548 durch Meister 
Simon von Bönnigheim fertigen liess. Im Keller der nordwest- 
lichen Seite sieht man den noch aus der Pfalzgrafenzeit her- 
rührenden Ziehbrunnen, der den Bewohnern selbst bei harter 
Bedrängung von aussen frisches Wasser sicherte. Denn er reicht 
bis unter die Sohle des Neckars, also über 300 Fuss tief hinunter 
und ist bei etwa 14 Fuss Durchmesser ganz in treiflichem Quader- 
werk ausgemauert. 
In der Stadt ist zunächst das jetzige katholischeßonvict 
(Wilhelmsstift), das unter Herzog Ludwig von 1587-1592 durch 
den Baumeister Georg Behr errichtete Collegium illustre, zu 
nennen. Der stattliche aber einfach behandelte Bau bildet ein 
unregelmässiges Viereck, das sich um einen schmalen langen 
Hof gruppirt. Der Haupteingang liegt an einer abgeschrägten 
Ecke, wo zwei Strassen rechtwinklig zusammenstossen. Ueber 
dem Portal das würtembergische Wappen, daneben grosse In- 
schrifttafeln, sehr zierlich mit Masken und barock gewundenen 
Rahmen eingefasst, mit der Jahrzahl 1595. Am rechten Flügel 
tritt gegen die Strasse ein grosser Rundthurm vor, am linken 
ein kleinerer runder Treppenthurm, dicht neben diesem ein hoher 
Giebel mit Voluten, aber sonst einfach ohne Pilaster, nur durch 
Gesimse gegliedert. Im Hofe gewahrt man am vorderen Flügel 
Reste toskanischer Pilaster, als Spur ehemals vorhandener oder 
doch beabsichtigter Arkaden. Die Haupttreppe liegt in einem 
vorspringenden runden Thurme des hinteren Flügels- 
Hier mag auch das Rathhaus angefügt werden, ein sehr 
ausgedehnter malerischer Fachwerkbau von geringem Material, 
ehemals jedoch durch grau in grau gemalte, nur theilweis noch
        

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