Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313579
326 
III. 
Buch. 
Deutschland. 
Renaissance 
gefasst, deren Formen, abweichend von denen des vorderen Por- 
tales, noch der Frührenaissance gehören. Drei reich ornamen- 
tirte Pilaster tragen ein Gebälk, über welchem das würtembergische 
Wappen in Gold und Farbenschmuck heraustritt. Ueber dem 
Schlussstein des Thorbogens entwickelt sich ein consolcnartiges 
Kapital, welches den drei Pilasterkapitälen entspricht und die 
durch den Bogen unterbrochene Rhythmik des Aufbaues geschickt 
wieder herstellt. Ueber den äusseren Pilastern sind zwei Fahnen- 
träger im reichen Kostüm der Zeit angebracht; über den inneren er- 
hebt sich ein oberer. Aufsatz mit Säulen, welche die IPig-uren zweier 
Trompeter tragen. Daneben ist beiderseits mit einem Viertels- 
bogen ein Feld eingefasst, welches die würtembergischen Wappen- 
thiere Hirsch und Löwe im Flachrelief zeigt. Gelangt man durch 
den Thorweg in den inneren Hofraum, so mündet derselbe dort 
in einem Portal, das ähnliche, nur etwas einfachere Formen zeigt. 
Da man hier die Jahrzahl 1577 liesst, so wird man beide Por- 
tale der Regierungszeit Herzog Ludwig's zuschreiben müssen. 
Der Schlosshof bildet ein unregelmässiges Viereck von etwa 
120 Fuss Breite bei ca. 210 Fuss Länge. Er ist sehr einfach 
behandelt und nur durch mehrere stattliche Portale geschmückt. 
In den vier Ecken sind Treppen angebracht, und zwar in der 
nordöstlichen eine Spindel in achteckigem Stiegenhaus, die übrigen 
mit rechteckig gebrochenen Läuten angelegt, wohl später ent- 
standen als jene erstere. Im Uebrigen erhält man von der 
schlichten Bauweise, die damals noch in diesen Gegenden all- 
gemein herrschte, eine Vorstellung durch die hölzerne Ver- 
bindungsgalerie, welche sich an dem linken südlichen Flügel 
hinzieht. In der Ecke rechts führt ein kleines Portal zu der 
schön construirten Wendeltreppe, die noch mittelalterlich geglie- 
dert und mit der Jahrzahl 1537 bezeichnet ist. Dieser Theil fällt 
demnach in die Regierungszeit Herzog Ulrichs, dem wir über- 
haupt den Kern des ganzen Baues zuschreiben müssen. Das 
Portal hat als Pilasterfüllung die Köpfe HannibaPs und Scipids, 
mit der naiven Beischrift: "Hanabal deren von Afrika Hoptman. 
Scipio deren von Rom Burgenmaister." Darüber ein gekröntes 
Brustbild mit der Beischrift: „Julius Caser der erste römisch 
Kaiser. Alter 46." Der obere Abschluss ist ein Flachbogen mit 
Muschelfüllung. Zum grossen Saal, der den nördlichen Flügel 
einnimmt, führt ein stattlicher angelegtes Bogenportal, dessen 
Composition den Charakter der unausgebildeten Frührenaissance 
Zeigt und wohl ebenfalls auf die Zeit Herzog Ulrichs zurückzu- 
führen ist. Zwei Säulen mit ausgebauchten Schäftell und frei 
behandelten korinthisirenden Kapitälen bilden die Einrahmung
        

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