Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313559
324 
III. 
Buch. 
Deutschland. 
Renaissance 
Bewunderung. Als Meister desselben muss vielleicht Aberlin 
Tretsch, der Erbauer des Stuttgarter Schlosses, betrachtet werden, 
da in einem Erlass Herzog Christoph's vom Jahre 1565 von 
der durch ihn eingereichten Abrechnung wegen des Schloss- 
baues zu Göppingen die Rede ist. (Stuttgarter Archiv.) 
Nur unbedeutende Reste sind vom Schloss in Hirsau übrig 
geblieben, nachdem dasselbe 1692 durch die Mordbrennerbanden 
Melac's eingeäschert werden ist. Die hohen Giebelwände mit den 
geschwungenen Voluten deuten auf einen stattlichen, wenn auch 
allem Anscheine nach einfachen Bau. Aufgeführt wurde derselbe 
durch Herzog Ludwig.  Besser erging es den fürstlichen Bauten 
im Kloster Bebenhausen, welche neuerdings durch die Für- 
sorge des Königs Karl eine stilgemasse Wiederherstellung er- 
fahren haben. Mehrere Zimmer im oberen Stock, 1550 durch 
den" Abt Sebastian vollendet, zeigen eine gute einfache Holz- 
täfelung und tüchtig behandelte Renaissancethüren. Die Decken 
bestehen ebenfalls aus Tafelungen, deren viereckige Felder 
kassettirt sind. Unten sieht man einen grösseren Saal, dessen 
Holzdecke mit ihren Durchzugsbalken von mächtigen Consolen 
gestützt wird, welche in der Mitte auf einem gut geschnitzten 
achteckigen Holzpfeiler ruhen. Eine alte Truhe mit eingelegten 
Ornamenten datirt ion rage. 1- In der Kirche ist die Kanzel, 
hm-"lö 1 c errichtet, eins der glänzendsten 
decorativen Prachtstüeke der Renaissance. In Sandstein mit 
reicher Vergoldung auf farbigem Grunde ausgeführt, ruht das 
Ganze auf drei prachtvollen Säulen mit geschwungenem Schaft, 
welche von einem reichgekleideten langbartigen Mann unterstützt 
werden. Den Eingang bildet ein elegant entwickeltes Portal. Das 
ganze Werk strotzt von figürlichen und vegetativen Ornamenten, 
letztere trefflich behandelt, die Putten dagegen auffallend schwach. 
Ungleich bedeutender nach der Gesammtanlage und Aus- 
stattung ist das Schloss zu Tübingen. Auf hoher Berglehne 
mit seinen gewaltigen Mauermassen und Thürmen über der alter- 
thümlichen Stadt und dem von waldigen Höhenzügen eingefass- 
ten Neckaithal aufragend, dient es der lieblichen Landschaft als 
charaktervolle Bekrönung. Die erste Anlage reicht in's frühe 
Mittelalter hinauf, wo das Schloss als Sitz der Pfalzgrafen schon 
grosse Bedeutung hatte. Den Neubau begann Herzog Ulrich 1507; 
aber die ersten unruhigen Zeiten seiner Regierung vermochten 
den Bau nicht zu fördern; ebensowenig konnte derselbe während 
der österreichischen Occupation fortschreiten. Aber sogleich 
nach seiner Wiedereinsetzung kam Herzog Ulrich 1535, begleitet 
von seinem Baumeister Heinz von Luther, sowie den Meistern
        

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