Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313529
Kap. IX. 
Schwaben. 
321 
giebt diesen Bestrebungen in einer Reihe ansehnlicher Bauten 
lebensvollen Ausdruck. Unter ihm beginnt der Neubau des Alten 
Schlosses in Stuttgart; das Schloss in Göppingen mit seiner 
larächtigen Treppe und noch manche andere Schlösser werden 
errichtet; die Alte Kanzlei in Stuttgart wird erweitert. Noch pracht- 
voller sind die Unternehmungen Herzog Ludwig's des Frommen, 
der sowohl durch seine theologischen Kenntnisse und seine un- 
massige Trinklust, wie durch die glänzenden Bauten sich als 
echter Sohn seiner Zeit beweist (1568-1593). Unter ihm ent- 
stand das Landschaftshaus in Stuttgart, das Jagdschloss im 
Kloster Hirsau, das Collegium illustre in Tübingen, vor Allem 
aber das herrliche, erst in unsrem Jahrhundert abgerissene Neue 
Lusthaus, das in der deutschen Renaissance seines Gleichen nicht 
findet. Der prachtliebende und versehwenderische Herzog Fried- 
rich I (1593-1608), weiterfahren und auf Reisen vielfach ge- 
bildet, bringt diese 'l'hatigkeit zum Abschluss. Durch ihn erhielt 
das Schloss zu Tübingen das prunkvolle äussere Portal; sodann 
führte er den unter seinem Nachfolger Johann Friedrich vollen- 
deten, jetzt nicht mehr vorhandenen Neuen Bau in Stuttgart auf; 
weiter entstand unter seiner Regierung die Kirche sammt den 
übrigen öffentlichen Gebäuden in Freudenstadt, interessant als 
Beispiel einer planmassig durchgeführten Stadtanlage jener Zeit. 
Auch der Prinzenbau in Stuttgart ist sein Werk. Mit ihm schliesst 
die Bauthättigkeit der würtembergischen Fürsten in dieser Epoche, 
denn Johann Friedrich, dessen Regierungszeit (1608-1628) in 
den dreissigjahrigen Krieg hineinreicht, hat mit Ausnahme der 
Lustgrotte in Stuttgart nichts Bedeutendes mehr ausgeführt, ob- 
wohl er für den Bau von Schulen und andere gemeinnützige An- 
lagen vielfach sorgte. Doch gestattete die schwere Zeit nur noch 
das Nothwendige, nicht mehr das Schöne. Dagegen bietet gerade 
für die Schlusszeit Augsburg mit den grossartigen Bauten des 
Elias Holl eine wichtige Ergänzung des Gesammtbildes. 
Der künstlerische Charakter dieser schwäbischen Gruppe hat 
seine durchgebildete Eigenart. Zunächst kommt bei den Bauten 
in den mittleren und unteren Landestheilen das treifliche Material 
in Betracht. Der feinkörnige Sandstein, der hier überall bricht, 
begünstigt nicht bloss die monumentale Anlage der Gebäude, 
sondern auch eine bis in's Einzelne zierliche und reiche Aus- 
führung. So kommt es, dass mehrere dieser lilonumßllfe an Ge- 
schmack der plastischen Durchbildung zu den besten deutschen 
Schöpfungen der Zeit gehören. Das oben abgebildete Portal vom 
Landsghaftshaus in Stuttgart (Fig. 30 auf S. 160) sucht in Anmuth 
und Adel der Formen seines Gleichen. Der abgebrochene Bau 
Kugle r, Gesell. d. Baukunst. V. 21
        

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