Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313423
Die innere Raumgliederung in diesem Theil des Schlosses 
lässt Manches zu wünschen. Namentlich fehlt es an einer der 
Pracht der Fäcade einigermassen entsprechenden Entfaltung des 
Vestibüls. Ebenso wenig ist auf durchgehende Axen in der An- 
ordnung der Thüren Rücksicht genommen. Stattlich aber sind die 
beiden Haupträume, der grosse Saal, dessen Länge von etwa 
56 Fuss die ganze Tiefe des Flügels einnimmt, so dass er an 
seinen beiden 32 Fuss breiten Schmalseiten von je vier hohen 
Fenstern erleuchtet wird. Zwei kräftige Säulen, welchen in den 
Wänden prächtig gearbeitete Consolen entsprechen, stützten sein 
Gewölbe. An ihn stösst rechts „des Kurfürsten Stube", ebenfalls 
ein ansehnlicher Raum von 40 zu 25 Fuss, gleichfalls durch zwei 
Säulen getheilt. Von der ursprünglichen Pracht der Ausstattung 
zeugen nur noch die Portale mit ihren schon ziemlich barock 
behandelten Hermen und Karyatiden und den mit Masken, auf- 
gerollten und zerschnittenen Cartouchen, Fruchtgehängen, Genien 
und phantastischen Fabelwesen geschmückten Aufsätzen. Nur 
eins dieser Portale hat fein behandelte korinthische Pilaster mit 
Blattornament in flachem Relief, und auch das Ornament des 
Frieses entspricht den Flächendecorationen der Facade. Ich 
glaube, dass man dies Portal zu denjenigen rechnen muss, welche 
laut dem Contrakt der Bildhauer Anlhoni unvollendet gelassen 
hatte, denn der Aufsatz dieses Portals, welcher nach italienischer 
Weise eine männliche und eine weibliche ruhende Figur und 
darüber einen nackten Knaben, Alles von barockem Volutenwerk 
umrahmt zeigt, gehört sichtlich einer andern Hand und Auf- 
fassung an. Man darf nun vielleicht die Vermuthung wagen, dass 
die Facade, mit Ausnahme ihres figürlichen Schmucks, ihre übrige 
Decoration durch jenen Meister Anthoni nach den Entwürfen der 
beiden Architekten erhalten habe, denn alle diese Theile sammt 
ihren Ornamenten zeigen kaum eine Spur des späteren Barock- 
geschmacks, vielmehr die feinen Ornamente klassischer Früh- 
renaissance. Da sämmtliche Werke, welche nachweislich von 
Colins herrühren, namentlich das Hauptportal mit seinen Be- 
krönungen und die grossen ("mühsamen") Thürgestelle des Innern 
den stark ausgeprägten Barocco, wie er in Italien sich ausgebildet 
hat, verrathen, so gehört dieser niederländische Meister wahr- 
scheinlich zu den Ersten, Welche diesen Geschmack in Deutsch- 
land eingebürgert haben. Bemerkenswerth ist ferner, dass an 
dem Prachtkamin im Ruprechtsbau noch keine Spur des Barocco 
"sich zeigt, die Ornamentik sich vielmehr durchgehends in den 
feinen Formen der Frührenaissance bewegt. Für die Aus- 
führung aller dieser architektonischen Werke durch deutsche
        

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