Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313377
306 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
merkt, die plastischen Darstellungen in sinnvoller Weise einen 
Spiegel fürstlicher Regierung. Auf der Kraft der Persönlichkeit, 
auf dem Heldenthum des Volkes baut sich sicher die fürstliche 
Gewalt auf; sie hat ihr Centrum in der Uebung; der christlichen 
Tugenden, vereint mit Starke und Gerechtigkeit; sie steht end- 
lich unter dem Einfluss höherer Machte, einer himmlischen Leitung, 
die sich im Laufe der Gestirne kund giebt". Diese astrologische 
Beziehung liegt im Charakter der- Zeit und ist doppelt erklärlich 
bei einem Fürsten, der selbst mit Eifer astronomischen Studien 
oblag. Die Medaillons endlich mit den Köpfen römischer Kaiser, 
Helden der Republik und Vertretern des Königthums geben den 
Gedanken der Continuitat obrigkeitlicher Gewalt durch alle Wechsel 
der Staatsform. 
Dem Reichthum des Uebrigen entspricht das grosse Portal, 
an sich schon eins der höchsten Prachtwerke der Zeit (Fig. 80). 
In freier Nachbildung eines römischen Triumphbogens öffnet es 
sich mit einer grossen Bogenpforte, zu deren Seiten schmale Fenster 
zur Erleuchtung des Vestibüls angebracht sind. Vier Pilaster mit 
reich behandelten Atlanten, die beiden äusseren bartig, die beiden 
inneren jugendlich und bartlos, tragen mittelst ionischer Voluten 
das vorspringende Gesimse. Am Sockel und der Portaleinfassung 
sowie den tiefen Thürlaibungen sind in feinen Flachreliefs Tro- 
phäen mit Waffen aller Art dargestellt. In den Zwickeln über 
dem Bogen reichen Victorien Palmen und Kränze dar. Die Attika 
enthält in der Mitte die Widmungsinschrift, an den Sockeln 
musikalische Instrumente. Darüber folgen im obern Aufbau zwei 
reich bekleidete Karyatiden, welche das grosse Mittelfeld mit dem 
kurfürstlichen Wappenschilde, dem pfälzischen und dem bairischen, 
einnehmen. Von unübertroifener Schönheit ist das reiche Laub- 
werk, welches die Wappen umgiebt. Auf den beiden Seitenfeldern 
sieht man einerseits einen bärtigen Mann, von einem Löwen über- 
wältigt, andrerseits einen ähnlichen Mann, wie er den Löwen be- 
zwingt. An diesen beiden Feldern kommt schon in derber Weise 
das aufgerollte, zerschnittene und in Voluten gedrehte Cartouchen! 
Werk vor. Ebenso herrscht es an der oberen Bekrönung des 
Ganzen, wo das Brustbild des Erbauers von zwei flöteblasen- 
den Genien begleitet erscheint. Dies sind sammt einem Theil 
der obersten Fcnsterkrönungen die einzigen Stellen der ganzen 
Faeade, an welchen solche Barockformen sich zeigen. Der Meister 
hat also dieselben wohl gekannt, aber einen bescheidenen Ge- 
brauch von ihnen gemacht. 
 Alles Uebrige athmet den Geist klassischer Frührenaissanee. 
D19 Composition grosser durchgehender Horizontalen, denen sich
        

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