Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313353
304 
III. 
Buch. 
Deutschland. 
Renaissance in 
Wiederholen, sondern je zwei in ein System zusammenzuziehen, 
zwischen ihnen durch eine grosse Console den Pilaster vertreten 
zu lassen und in der Wandfläche den Raum zu einer Statuen- 
nischc zu verwenden. Dadurch hauptsächlich hat er erreicht, 
dass der Bau trotz seines Reichthums den Eindruck ruhiger Glie- 
derung durch langgestreckte horizontale Linien erreicht. An 
keinem zweiten deutschen Bau jener Zeit ist diese, aus dem 
Süden stammende Horizontaltendenz so durchgreifend zur Herr- 
schaft gelangt. Doch forderte die nordische Sitte ihr Recht und 
so wurde die Vertikaltendenz durch zwei, den wenigen erhalte- 
nen Spuren nach ebenfalls reich gegliederte Dachgiebel aus- 
gesprochen. Aber da dieselben an der Facade keine durch- 
greifende vertikale Unterstützung finden, so ergiebt sich hier ein 
Punkt, wo deutsche Sitte und italienische Anschauung in Cou- 
iiikt gerathen. Auch die immer noch verhältnissmässig niedrigen 
Geschosse verleihen dem Ganzen etwas Gedrucktes, das dem 
italienischen Horizontalbau keineswegs eigen ist. 
Aber abgesehen von solchen Uebelstauden, die auf diesem 
Wege kaum zu vermeiden waren, wird man im Uebrigen immer 
wieder auf's Neue zur Bewunderung hingerissen durch die an 
keinem andern deutschen Bau auch nur entfernt erreichte Schön- 
heit der Durchführung. Mit feinem Sinn hat der Architekt bei 
höchster Steigerung der plastisch dccorativen Mittel eine wohl- 
durchdachte Abstufung und zugleich eine Bereicherung durch 
rhythmischen Wechsel der Motive gewonnen. Wirksam breiten 
sich die Massen des Kellergeschosses aus, in ruhiger Fläche dem 
reichen Oberbau als kraftvolle Basis dienend, nur durch schlichte, 
gothisch profilirte Fenster und Thüröifnungen unterbrochen. Dar- 
über steigen die langgestreckten Pilaster des Erdgeschosses auf, 
durch ihre Bossagen mit dem derb markirten Fugenschnitt noch 
an die ungegliederten Massen des Unterbaues erinnernd, durch 
die zierlichen ionischen Kapitale jedoch auf den Reichthum der 
oberen Theile vorbereitend. Auch der Triglyphenfries, welchen 
der Baumeister unbekümmert mit den ionischen Stützen verbindet, 
verräth in den Schilden und Stierschadeln seiner Metopen die 
Richtung auf zierlichen Schmuck. Im ersten Geschoss sodann 
geben die ornamentirten Pilaster mit fein detaillirten korinthischen 
Kapitalen einen lebendigen Gegensatz zu den derbcren des Erd- 
geschosses und den kannelirten Halbsäulen des zweiten Stocks, 
die durch höhere, einfacher gebildete, korinthische Kapitale für 
die grössere Entfernung vom Auge wohl berechnet sind. Bßide 
obere Friese werden durch Blattranken von zartestem Relief un- 
übertreülich schön belebt. Bezeichnend für das Streben nach
        

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