Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313327
K51? 
VIII. 
Die pfälzischen Lande. 
Heidelberg. 
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bäude war also hauptsächlich für Festlichkeiten bestimmt, wäh- 
rend in dem anstossenden Rudolphsbau auch ferner die Familien- 
wohnung der Fürsten blieb. Nordwärts von dem alten Bau stösst 
der nur in den Grundmauern erhaltene Bau F an, ein Rechteck 
von bedeutenden Verhältnissen, 11O'Fuss lang, 52 Fuss breit, 
durch vier starke Pfeiler der Länge nach in zwei Schiffe ge- 
theilt. Man hält dies Gebäude gewöhnlich für die alte Kapelle; 
In grossartiger Weise beginnt sodann gegen Ausgang des 
Mittelalters Kurfürst Ludwig V die Erweiterung des Schlosses 
und die Ausdehnung und Verstärkung der Befestigungen. Der 
vor-geschobene Brückenkopf A, die auf hohen Pfeilern und Bögen 
aus der Tiefe des Schlossgrabens empor geführte Brücke und 
der schwerfällig-e viereckige Thorthurm B sind das Werk dieses 
Kurfürsten, 1541 laut einer in Stein gehauenen Inschrift vollendet. 
Wenn man von hier aus den Schlosshof C betritt, so hat man 
zur Rechten die von demselben Kurfürsten an der Südostseite 
errichtete neue Wohnung K, deren nördliche Grenze durch den 
kleinen Treppenthurm im Hofe mit der Jahrzahl [1524 bezeichnet 
wird. Auch hier ist noch Alles gothisch trotz der vorgerückten 
Zeit. Ebenso hat der am südwestlichen Ende vor-springende Hallen- 
bau für den neuen Schlossbrunnen gothische Spitzbögen und an 
seinen vier Granitsäulen Kapitale und Basen desselben Stils. Die 
Schäfte sind der letzte Rest vom Palast KarPs des Grossen zu 
Ingelheim, von wo der Kurfürst sie herbeischatfen liess. Der 
Nachfolger, Friedrich II (1544-1556), baulustig und unternehmend, 
vervollständigte und vollendete die Bauten seines Bruders. Unter 
ihm, der Italien, Frankreich und Spanien kannte und sich leb- 
haft für klassische Studien interessiite, dringen die verfeinerten 
Formen der Renaissance in Heidelberg ein. Freilich noch stark 
gemischt mit gothischen Elementen, namentlich in der Bildung 
der Fenster und Thüren. Der Hauptbau Friedrichs II nimmt die 
nordöstliche Ecke des Schlosses bei H ein, wird dort aber zur 
Hälfte durch den später errichteteirOtto Heinrichsbau verdeckt. 
Ungefähr die Mitte der Faeade bildete der achteckige schmuck- 
lose Treppenthurm. Links von ihm zeigen sich die kräftigen 
Bogenhallen, in drei Geschossen auf stämmigen dorischen Säulen 
mit feiner Kannelirung. Am westlichen Ende links springt ein 
Pavillon vor mit dreitheiligen, gothisch protilirten Fenstern und 
steilem Giebel, auf dessen Treppenstufen phantastische Sirenen- 
gestalten angebracht sind. Im Innern sollte ein grosser gewölbter 
Saal die berühmte Bibliothek aufnehmen. Für die Decoration des- 
selben liess der Kurfürst 1551 Stuckatoren ("Ipser") von Herzog 
Christoph von Würtemberg kommen, weil er in der Pfalz keine
        

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