Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313271
296 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Landshut ausgeführt haben. Man triift hier überall eine verwandte 
Behandlung und denselben Grad mangelnden Verständnisses der 
neuen Formen. 
Fast ganz mittelalterlich, mit sehr wenig Spuren der Renais- 
sance, stellt sich endlich das kleine Jagdschloss Grünau dar, 
welches derselbe Fürst um ein Decennium später als das Schloss 
von Neuburg erbaut hat. Es liegt ganz versteckt in Wäldern, 
etwas abseits von der Donau, ungefähr eine Stunde östlich von 
Neuburg, mit welchem es durch eine lange Allee verbunden ist. 
In der mittleren Einfahrt des Hauptbaues sieht man den Namen 
und die Wappenschilde Otto Heinriclrs und die Jahrzahl 1555. 
Die Anlage besteht aus einem einstöckigen Mittelbau, der auf 
den Ecken von runden mächtigen Thürmen flankirt wird. Von 
dem links befindlichen zieht sich eine hölzerne Verbindungsgalerie 
nach einem vorgeschobenen Flügel mit hohem, gothiseh abgestuf- 
tem Giebel, vor welchem ein mächtiger viereckiger Thurm angelegt 
ist. Das obere Pyramidaldach desselben ist mit bunt glasirten 
Ziegeln gedeckt. An der rechten Seite springt ein anderer Flügel 
vor, aber ohne Galerie, in niedrige Wirthschaftsräume endend. 
Die Durchfahrt in der Mitte des Hauptbaues hat ein rundbogiges 
Tonnengewölbe mit Stichkappen ohne Rippen. Sie öffnet sich mit 
einem grossen Bogenthor und einer kleinen Pforte, Alles nackt und 
pschmueklos ohne jede künstlerische Form. Nur über dem Thor 
sieht man das hübsch ausgeführte kurfürstliche Wappen, von zwei 
Löwen gehalten, in Solenhofer Kalkstein. Dabei die Inschrift; 
„1555 hat auferbauet mich Pfalzgraf Otto Heinrich. Nun aber 
mich Karl Theodor mein Kurfürst bringt wiederum empor." 
So kahl wie das Aeussere, ebenso vollständig ist das Innere 
seiner alten Ausstattung beraubt. Eine reich behandelte Inschrift- 
tafel, das letzte Stück derselben, ist in das Nationalmuseum 
nach München gekommen. Der vorgeschobene viereckige Thurm 
des linken Flügels ist nach Art eines mittelalterlichen Donjon's 
als selbständiges Wohnhaus behandelt. Auf einer sanft ansteigen- 
den, rechtwinklig gebrochenen Treppe gelangt man in die oberen 
Gemächer. Hier liegt eine noch völlig gothische Kapelle mit 
spitzbogigem Kreuzgewölbe, die Altarapsis als rechtwinkliger 
Erker nach Osten ausgebaut. Durch eine im Eselsrücken ge- 
schlossene Thür steht sie mit dem südlich anstossenden Haupt- 
raum in Verbindung, der, ungefähr quadratisch, in der Mitte durch 
einen gewaltigen Rundpfeiler getheilt wird, auf welchem die vier 
Sterngewölbe dieses Saales ruhen. Im oberen Stockwerk sind 
grosse Zimmer mit gothischen Kreuzgewölben angelegt, Wände 
und Gewölbe auf weissem Grund ausgemalt, mit allerlei Dar-
        

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