Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313221
Kap 
VIII. 
Die pfälzischen Lande. 
Pfalz. 
neue 
Die 
291 
dann 1547 nach dem unglücklichen Ausgang des Sehmalkaldi- 
sehen Krieges das Land Verlassen musste und erst 1552 durch 
den Passauer Vertrag zurückgeführt wurde. Der Bau wurde, 
wie es scheint, in den dreissiger Jahren begonnen, Wenigstens 
liest man mehrmals die Jahrzahl 1538. Wie an allen deutschen 
Bauten dieser Frühzeit treten auch hier gothische Formen neben 
denen der Renaissance auf. 
Die Hauptmasse des Schlosses, von zwei gewaltigen Rund- 
thürmen filankirt, bildet hoch emporragend der östliche Flügel, 
welcher vom Flusse aus sogleich dominirend in's Auge fallt. 
Daran lehnt sich nordwärts ein selbständiger Anbau, mit hohem 
Volutengiebel bekrönt, welcher die Durchfahrt in die weiter ober- 
warts gelegene Stadt enthält. Hier sieht man einzelne Fenster 
im flachen Stichbogen, von den charakteristischen, aber mager 
gebildeten Pilastern der Renaissance eingerahmt. Dies Alles ist 
in den Formen unbedeutend. Einspringend nach Westen erhebt 
sich dann ein achteckiger Treppenthurm von ähnlicher Behand- 
lung. Daran lehnt sich weiter westwärts ein anderer Anbau" mit 
plumpen Formen und grossen gothischen Fenstern. Dieser Theil 
hat einen modernen Aufsatz, ist aber mit dem Uebrigen gleichzeitig 
und enthält an der Westseite in einem selbständigen Vorsprung 
das grosse Hauptportal. Es ist im Stichbogen gewölbt, von 
zwei flachen Nischen begleitet, das Ganze eingefasst mit vier 
überschlanken Säulen, welche statt ausgebildeter Postamente wun- 
derliche runde Untersätze haben. Dies Eine ist schon bezeich- 
nend für die hier herrschende, noch sehr unklare Auffassung der 
Formen. Ebenso ungeschickt sind die korinthisirenden Kapitale 
behandelt, so dass man einen Architekten merkt, welcher seine 
Renaissance gleichsam nur vom Hörensagen kennt, jedenfalls aus 
trüber Quelle geschöpft hat. Drei im Flachbogen geschlossene 
Fenster über dem Portal sind mit Rahmenpilastern dürftig, mehr 
lisenenartig eingefasst. Beim Entwurf des Ganzen hat sehr dunkel 
ein Triumphbogen vorgeschwebt. Der Vorbau ist sodann mit 
einer Plattform abgeschlossen, welche einen breiten Altan bildet 
und eins der praehtvollsten Eisengitter der Zeit als Einfassung 
besitzt. Das Gitter im Portalbogen dagegen mit den das pfal- 
zisehe Wappen haltenden Löwen tragt die Formen des 18. Jahr- 
hunderts und die Jahrzahl 1752. An dem ganzen Westbau hat 
man die schon beschriebenen, kümmerlich gebildeten Fenster, 
aber nur in einem Stockwerke, durchgeführt. (Sammtliche Glie- 
derungen und Umrahmungen sind aus rothem Sandstein gebildet, 
während die Masse des Baues Bruchstem mit Stucküberzug er- 
kennen lässt.
        

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