Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313217
290 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
Dem Ausgang der Epoche gehört die Dreifaltigkeits- 
kirehe, als erstes protestantisehes Gotteshaus 1627-1631 durch 
den Nürnberger Baumeister J. Karl Ingen und den Zimmermeister 
Lorenz Friedrich aufgeführt. Es ist ein kolossaler Bau, 200 Fuss 
lang bei 62 Fuss Breite und 45 Fuss Scheitelhöhe mit gradlinig 
geschlossenem Chor, das Ganze von einem einzigen Tonnen- 
gewölbe bedeckt, von schlichter Strenge und einem fast herben 
Ernst, dem Charakter des Protestantismus wohl entsprechend. 
Das Aeussere Wirkt imponirend durch das hohe Giebeldaeh und 
die beiden übereek gestellten Thürme an der Ostseite, an wel- 
chen noch gothisehe Einzelformen vorkommen. Die Fenster 
sind im Rundbogen geschlossen und die drei Portale in antiki- 
sirender Weise behandelt.  
Von Profanbauten sind zunächst diejenigen Theile zu nennen, 
Welche dem gothischen Rathh aus angefügt wurden. Die Modell- 
kammer datirt von 1563 und die Vorhalle zum Reichssaale aus 
dem folgenden Jahre.  Einen stattlichen Renaissancehof besitzt 
das v. Thon-Dittmersche Haus, freilich nur an einer Seite 
links vom Eingang ausgebaut. Drei Arkadenreihen erheben sich 
über einander, gewölbt mit fiachen Bögen auf Säulen, unten do- 
risch, dann ionisch, endlich korinthisch, und zwar in den phan- 
tasievollen Umbildungen der Frührenaissance. Seine jetzige Form 
hat der Bau erst 1809 durch eine mit Benutzung der alten Theile 
unternommene Wiederherstellung erhalten. 
Ein prächtiges Werk der Decoration ist endlich im Ober- 
münster der vor 1545 gestiftete Altar der Aebtissin Wandula 
von Schaumburg, in Kehlheimer Marmor prächtig und in elegan- 
ten Frührenaissanceformen ausgeführt. 
Die neue Pfalz. 
Wir wenden uns nun zu Dem, was die pfälzischen Fürsten 
in der jungen oder neuen Pfalz ausgeführt haben. Es handelt sich 
hier in erster Linie um das Schloss von N euburg-, das mit 
seinen gewaltigen Massen, von zwei mächtigen Rundthürmen 
gegen Osten iilankirt, sich malerisch auf einer Anhöhe über der 
Donau erhebt und den Blick in das weithin flach ausgedehnte 
Land mit seinen Wiesen und Wäldern gewahrt. Das Auge ver- 
folgt den ruhig dahin ziehenden Strom und gewahrt am Horizont 
die Thürme von Ingolstadt. Die Lage war für eine befestigte 
Burg wie geschaffen. {Der gegenwärtige Bau verdankt seine Ent- 
stehung dem trefflichen Otto Heinrich, welcher, bevor er zur 
Kurfürstenwürde gelangte, das Herzogthurn Neuburg verwaltete,
        

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