Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313157
284 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
schiedenen phantastischen Fabelwesen aller Art in kraftvollem 
Relief belebt, endlich das Ganze durch Vergoldung und Farben- 
schmuck, namentlich blau und roth zu höchster Pracht gesteigert 
Bei allem Reichthum ist aber die Wirkung durchaus harmonisch 
und bezeugt das künstlerische Geschick, mit welchem in jüngster 
Zeit die Restauration geleitet werden ist. Schade nur, dass der 
Eindruck durch die den meisten deutschen Bauten eigene Niedrig- 
keit des Raumes geschwächt wird. 
Am nordwestlichen Ende des Saales führt eine Thür in die 
Schlosskapelle, und zwar auf die Empore, welche den fürst- 
lichen Betstuhl trägt. Die Kapelle ist ein einfaches Rechteck, in 
ihrer Breite die Tiefe des westlichen Flügels umfassend, so dass 
sie auf beiden Seiten durch spitzbogige Fenster mit gothischem 
Maasswerk ihr Licht empfängt. Der Raum ist auffallend hoch, 
da er das Erdgeschoss und die beiden folgenden Stockwerke 
umfasst. Während an den Wänden nur einzelne Spuren von 
ziemlich geringen Fresken, z. B. ein grosses Madonnenbild, sicht- 
bar sind, ist das Gewölbe in seiner alten kräftigen Polychromie 
noch wohl erhalten. Es besteht aus drei Reihen kleiner aus Holz 
gebildeter Kreuzgewölbe, mit kräftigen Rippen und frei schweben- 
den Consolen, die Rippen an den Seiten roth gemalt mit {dunklen 
Mustern, in der Mitte blau mit vergoldeten und Versilberten Perl- 
schnüren, an den Kappen goldne Sterne und musicirende Engel 
auf hellblauem, wolkigem Grunde, der das Himmelsgewölbe nach- 
ahmt. An der östlichen und südlichen Seite zieht sich eine sehr 
hoch liegende Galerie hin, letztere für die fürstlichen Herr- 
schaften, erstere zur Verbindung des Saales mit dem Thurme 
des Westllügels bestimmt. Unter der südlichen Galerie ist eine 
zweite für die Orgel eingebaut. Diese Galerieen haben ebenfalls 
ihre ursprüngliche Decoration bewahrt. Offene Arkaden zwischen 
toscanischen Halbsaulen tragen gut geschnitzte und bemalte 
Apostelfiguren; darüber ist dieselbe Ordnung wiederholt. An der 
Unterseite der Empore sind biblische Scenen in bemalten Reliefs 
dargestellt, dies gleich dem" ganzen Galeriebau reich in Gold, 
Blau und Roth gefasst, noch völlig nach dem mittelalterlichen 
Princip der Polychromie. 'Auch hier also hat der Architekt, wäh- 
rend am übrigen Bau die Renaissance in seltener Consequenz 
durchgeführt ist, beim kirchlichen Theil seiner Aufgabe wieder 
zum Mittelalter zurückgegriffen. Eine sorgfältige Wiederherstellung 
Wäre dem anziehenden Raume wohl zu wünschen.
        

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