Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310457
14 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Allgemeiner 
Theil. 
Aegidius in Antwerpen nennt er Holbein "einen ausgezeichneten 
Künstler", der sein Bildniss gemalt habe und nun nach England 
gehe, um einige Goldstücke zusammen zu scharren: denn „hier 
frieren die Künste", setzt er hinzu. Dass aber Erasmus einen 
tieferen Antheil am künstlerischen Schaffen genommen hätte, steht 
nicht zu vermuthen. Ihm kommt es hauptsächlich darauf an, 
sein Portrait durch treffliche Künstler auf die Nachwelt zu bringen, 
und das ist auch der Punkt, um. Welchen sich in seinen Briefen 
an Willibald Pirckheimer die Beziehungen auf Dürer drehen. So 
schreibt er: "Ich wünsche unserem Dürer von Herzen Glück. Er 
ist ein würdiger Künstler, der nie sterben wird. In Brüssel hatte 
er angefangen, mich zu malen: hatte er es doch vollendetlt") 
Wiederholt kommt er auf diesen Wunsch zurück: „Von Dürer 
möchte ich gemalt sein, wie sollte ich's nicht wünschen von sol- 
ehem Künstler"?2) Wiederholt nennt er ihn einen Apelles oder 
den "Ersten in der Kunst des Apelles", trägt seinem Freunde 
Grüsse an ihn aufß) Als ihm endlich sein dringend nahe ge- 
legter Wunsch erfüllt wird, ist er voll Dank: "ich überlege, wie 
ich Dürer meinen Dank bezeigen soll: würdig ist er unsterb- 
lichen AndenkensWt) Aber wie wenig das Wirken des grossen 
Künstlers den grossen Egoisten innerlich berührte, offenbart sich 
in den kurzen kalten Worten, die er bei der Nachricht von dessen 
Tode ausspricht: „Wozu soll man Dürer's Tod beklagen, da wir 
Alle sterblich sind? Seine Grabschrift ist ihm in meinem Buche 
bereitefiß)  Damit ist Dürer für immer abgethan. 
Bei dieser oberflächlichen, nur aus Eitelkeit und Ruhmsucht 
zusammengewebten Beziehung zu der Kunst des grossen Meisters 
nimmt es dann nicht Wunder, dass auch in den übrigen Schriften 
des berühmten Gelehrten Hinweisungen auf die Kunst fast gar 
nicht begegnen. So findet man in den Colloquien, wo doch die 
verschiedensten menschlichen Verhältnisse und Thätigkeiten be- 
rührt werden, keine Spur einer Beziehung auf bildende Kunst. 
In seinem „Lob der Narrheit", wo man dergleichen noch eher 
erwarten sollte, charakterisirt er z. B. die verschiedenen Nationen: 
„Die Briten rühmen sich, sagt er, ihrer Musikfi) die Franzosen 
brüsten sich als an der Spitze der Civilisation stehendß) die 
Pariser sind stolz auf ihre theologische Wissenschaft, die Italiener 
 Desid. Erasmi Rot. epistolaß (Lllgd. Bat. 1706) p. 721 B.  2) Ibid- 
p. 847 D. E.  3) Ibid. p. 848. 887 E.  4) Ibid. p. 944 E.  5) Ibid. p. 1075 
E.  G) Erasm. Stult. laus. Basil. 1676. p. 102. Dies Lob der englischen 
Musikbegabung klingt uns heute sehr wunderlich.  1) Wörtlich: ,morum 
civilitatem sibi suinunt". 
        

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