Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313096
278 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
Neben dem Rathhaus liegt das alte Gebäude der Universi- 
tät, ein malerischer Flügelbau, verbunden durch eine zinnen- 
gekrönte Mauer. Es ist dasselbe Gebäude, welches unterm 
13. Januar 1579 als "neu erbautes Collegium" unter die seit- 
herigen seehsundzwanzig „gefreiten" Häuser der Universität auf- 
genommen wurde. 1) Auf beiden Ecken diagonal gestellte, recht- 
winklige Erker mit Reliefs. Das Portal in ausgebildeter Renais- 
sance und mit Portraitmedaillons trägt die Jahrzahl 1.580. Im Hof 
liest man an einem Strebepfeiler 1581. Derselben "Zeit gehört 
offenbar das hübsche spätgothisehe Portal zur Wendeltreppe. 
Letztere ruht auf Säulen, Alles noch in spätgothischer Bildung. 
Endlich verdient die Vorhalle am südlichen QuerschiH des 
Münsters als ein zierlicher, reich durchgeführter Bau dieser 
Epoche Erwähnung?) Sie besteht aus drei Kreuzgewölben, die 
auf vier Pfeilern ruhen. Elegant behandelte korinthische Säulen 
sind den Pfeilern vorgelegt, die sehr schlanken Schäfte am unteren 
Theile reich ornamentirt. Kraftvolle Konsolen bilden im Scheitel 
der Bögen die Unterstützung des stark vorspringenden Gebälkes. 
Die Balustrade, welche die Plattform umgiebt, ist noch im Geiste 
der Gothik mit spielenden Maasswerken durchbrochen. Ueber 
die ganzen Flächen der oberen Theile ist eine delikat im zarte- 
sten Relief ausgeführte Decoration von linearen Schnörkeln der 
Spätrenaissance ausgegossen. Ueber die Erbauungszeit habe ich 
Nichts erfahren können; doch dürfte dieselbe etwa um 1570 zu 
setzen sein. 
Besonders anmuthig gestaltet sich die Renaissance an dem 
jetzigen Rathhaiis zu Constanz. Von 1487 bis 1549 stand hier 
das Zunfthaus der Weber; von da bis 1592 war es Sitz der 
Lateinsehule und wurde dann zur Stadtkanzlei umgebaut. Man 
liest 1592 mehrmals, so dass der jetzige Bau, der seit 1863 
restaurirt und mit Fresken geschmückt Werden, im Wesentlichen 
vom Ende des 16. Jahrhunderts datirt. Die Faeade nach der 
Strasse zerlegt sich in zwei Giebel von ungleicher Höhe und 
Breite, welche mit auswärts und einwärts geschweiften Gliedern, 
aber ohne Aufsätze, maassvoll und doch kräftig profilirt sind. 
Die Fenster, zu zweien und dreien gruppirt, mit derben Säulen 
und tief eingekerbten Fugenschnitten an den Rundbögen, er- 
1) K. Schreiber, Gesch. der Univers. Freiburg im Breisgau. Freib. 1857, 
I1, 66.  2) In Schreibers Gesch. des Münsters S. 154 wird sie als "völlig 
unpassend" mit Verachtung übergangen. So dachte man 1820, als die 
Renaissance noch nicht wieder entdeckt war. Irrthiimlieh heisst es dort, 
sie sei ein Bau aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. Die Jahrzahl 1078, 
welche man an ihr liest, ist ein späterer Zusatz. 
        

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