Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313082
Kap- 
VII. 
oberrheinischen Gebiete. 
Die 
Baden. 
277 
die Spuren der reichen Kulturblüthe in diesen Gegenden fast voll- 
ständig verwischt, und selbst das später zu behandelnde Schloss 
zu Heidelberg uns nur als Ruine hinterlassen. 
Gernsbach besitzt in seinem Rathhaus (Fig. 76) ein kleines, 
aber charaktervoll und reich durchgeführtes Beispiel von der 
Architektur aus dem Ende unserer Epoche. Die Lage des Baues 
an der Ecke zweier nicht eben breiten Strassen musste einen 
schmal gedrängten Hochbau herbeiführen, der sich in dem mit 
Voluten und Obelisken geschmückten Seitengiebel energisch aus- 
spricht und in dem reich verzierten, polygonen Erker an der 
Ecke anklingt. Das derbe Portal mit seinen dorischen Säulen 
und der Volutenkrönung, die Fenster mit ihren durchbrochenen 
Giebeln, der Dacherker endlich mit seinen weit herausgebogenen 
Voluten sind Elemente eines stark ausgeprägten Barocco, die mit 
der Jahreszahl 1617 am Portal übereinstimmen. Im Innern findet 
sich eine Wendeltreppe von mittelalterlicher Oonstruktion mit 
gothischen Gliederungen am Portal. Auch die Thür des oberen 
Saales zeigt gothisch profilirte Einfassung, obwohl sie eine Um- 
rahmung von korinthischen Säulen und reich geschmücktem Ge- 
bälk hat. Der untere Schaft der Säulen hat gleich dem Postament 
barockes Flachornament, amThürsturz liest man die Jahrzahl 1618. 
Einiges Andere hat sichin Freiburg im Breisgau erhalten. 
Auch hier bleibt die Gothik noch ziemlich lange in Kraft. An 
einem Hause der Franziskanerstrasse sieht man einen originellen 
gothischen Erker von 1516, über dem Portal als Baldachin empor- 
gebaut. Am Rathhaus findet sich aus derselben Zeit eine Wendel- 
treppe mit gothischer Prolilirung. Auch die gewundenen Säulen, 
auf welchen sie ruht, haben mittelalterliche Form. Oben liest 
man aber auf einem Renaissanceschildchen die Jahrzahl 1518. 
Wahrscheinlich hat die Nähe von Basel hier die neuen Formen 
so früh eingeführt. Das untere Vestibül hat eine iiache Holz- 
decke, welche auf originell behandelten Renaissancesäulen von 
Sandstein ruht. Im Hof findet sich eine Freitreppe, deren Ge- 
länder wieder die Fischblasen des spätgothischen Styles zeigt. 
Ebenso haben die unteren Säulchen noch mittelalterliche Form, 
während die oberen, welche das Dach der Treppe stützen, im 
Renaisgangestyl behandelt sind. An der Balustrade liest man 
1552. Aber noch länger bleiben hier beide Style unmittelbar 
neben einander in Uebung, denn das Renaissanceportal der Fagade 
tragt die Jahreszahl 1558, ein kleineres gothisches Portal 1557. 
Im oberen Stockwerk findet man eine Pforte in steifen Renaissance- 
formen, aber mit gothischer Gliederung und der Jahrzahl 1559_ 
Sodann ein reicheres Poital derselben Art.
        

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