Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310445
K39 
des deutschen 
Die Renaissance 
Geistes. 
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Werke desselben seien "alle grossartig; und glänzend, aber die 
späteren seien Weniger herb und gleichsam milderW) 
Auffallend ist dagegen, wie wenig die literarische und wissen- 
schaftliche Bewegung bei den Humanisten sich um die bildenden 
Künste kümmert. Während die italienische Literatur voll ist von 
Zeugnissen, mit Welch regem Interesse und lebendigem Verständ- 
niss die Kreise der Gebildeten, namentlich auch die literarischen 
Wortführer die Kunst betrachten, suchen wir in der gesammtell 
reichen humanistischen Literatur Deutschlands vergeblich nach 
bedeutsameren Aeusserungen verwandter Art. Hier fühlt man so 
recht den Gegensatz des italienischen zum deutschen Humanis- 
mus. Dort, wo die Fülle sinnlicher Anschauung, wo der im 
ganzen Volke verbreitete Schönheitssinir die glanzvolle Wieder- 
belebung des klassischen Alterthunis auch nach der künstlerischen 
Seite mächtig hervortreibt, ist es allgemeines Bedürfniss an der 
Welt von neuen Schöpfungen höchster Schönheit Theil zu nehmen. 
111 Deutschland gewinnt der Humanismus theils ein polemisches, 
theils ein abstrakt gelehrtes Gepräge. Die'ernsten Kämpfe, aus 
denen die Geistesthat der Reformation und die Begründung der 
modernen Wissenschaft geboren ward, liessen der Phantasie kaum 
Zeit für das harmlose Spiel mit schönen Formen. Wurde ja die 
Kunst selbst auf's nachdrücklichste als Verbündete mit in den 
Kampf hineingezogen; haben doch bIeister wie Niklas Manuel, 
Hans Holbein, Lucas Cranach (um nur einige der hervorragende- 
ren zu nennen) die Waffen der künstlerischen Satire gegen das 
Papßtfhllm geschwungen. Aber alles dies wurzelt in Interessen, 
Welche ausserhalb der Sphäre reiner Kunst liegen. In einer 
Epoche und einem Lande, wo Alles Partei nehmen musste in den 
erschütternden Kämpfen, aus welchen eine neue Zeit hervor- 
gehen sollte, fand die Kunst als solche kaum eine Stätte. 
_ Durchgeht man die Schriften der deutschen Humanisten, so 
ästfnan Erstaunt über die dürftige Ausbeute, welche sie für künst- 
ensclie Anschauungen gewähren. Wohl steht Erasmus von Rotter- 
dam m Pahßn Beziehungen zu Holbein, und die Zeichnungen, 
Welche dles" für das „Lob der Narrheit" geliefert, sind ein an- 
Zlehendes Denkmal dieses Verhältnisses. Auch wissen wir ja, 
dass dßf berühmte Gelehrte den jungen Künstler, als dieser sich 
nach England aufmachte an seinen Freund Thomas Morus 
empftmlen hat 111 einem, andern Empfehlungsbrief an Petrus 
 Melanchthon Epist. passim in StrobePs lßliscellaneen (Nürnberg 1731) 
VI. 210 fg. „Durerianae pictume grandes et splendidae omnes, sed pos- 
teriores minus rigidae et quasi blandiorcsyq
        

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