Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1313045
Kap- 
VII. 
Gebiete. 
oberrheinischen 
Die 
Baden. 
273 
Basen und Kapitälen tragen kräftige Gesimse, von welchen die 
mit Laubfestons geschmückten Gewölbrippen aufsteigen. An den 
Wänden sind wieder Bilderrahmen angebracht, Alles in Stuck 
mit reicher Vergoldung. Die vier Kappen des blauen gold- 
gestirnten Kreuzgewölbes sind mit Medaillons geschmückt, welche 
in kleinen Fresken Liebesgeschichten Jupiters enthalten. Bei 
einer derselben soll man noch im Anfang unseres Jahrhunderts 
gelesen haben: „genus unde Badense". Durch den Brand von 
1689 sind dieselben bis auf drei zerstört worden. Auch das 
dritte Zimmer zeigt ähnliche Anordnung mit Stuck und Ver- 
goldimg. Die dunkelrothen Wände haben ovale, von vergoldeten 
Blumengewinden eingerahmte Nischen mit den bemalten Büsten 
des Markgrafen Wilhelm und seiner Söhne. Der Fussboden aus 
italienischem Gipsmarmor zeigt mehrere Wappenschilde, welche 
auf den Markgrafen Friedrich V und seine Gemahlin Barbara 
von Würtemberg deuten. Die gesammte Decoration dieser Räume 
gehört also in den Anfang des 17. Jahrhunderts. Auch die übrigen 
beiden Zimmer, sowie der kleinere Speisesaal enthalten Reste 
ähnlicher Ausstattung. 
Dagegen haben sich in den beiden oberen Geschossen keine 
Spuren der ursprünglichen Ausschmückung erhalten. Nur aus 
der Beschreibung eines Zeitgenossen, des Jesuitenpaters Gamans, 
kennen wir die prachtvolle Ausstattung des grossen Saales _im 
zweiten Geschoss. Sein Spiegelgewölbe war 1579 durch Tobias 
Stimmer mit Fresken geschmückt worden, in welchen nach der 
Sitte der Zeit die Allegorie eine grosse Rolle spielte. Die Wände 
waren mit den Bildnissen der Fürsten des badischen Hauses in 
mehr als Lebensgrösse geschmückt, und unter ihnen zog sich ein 
Fries mit den Brustbildern der deutschen Kaiser hin. Dazu kamen 
noch Darstellungen der Monate und derQZeichen des Thierkreises 
mit entsprechenden lateinischen und deutschen Versen. Am einen 
Ende des Saales sprang ein achteckiges Erkerzimmer vor, das 
die Krönung der unteren Altarnische der Kapelle bildete. Es 
war ebenfalls durch Stimmer mitWandgemälden geschmückt. In 
der Zeichnung sicherlich schon stark manierirt, muss doch das 
Ganze einen prächtigen dekorativen Gesammteindruek gemacht 
haben. 
An die östliche Front des Schlosses stösst eine hohe Terrasse, 
deren vorspringende Spitze einen runden Pavillon trägt, welchem 
die Franzosen den unsinnigen Namen „Dagoberts-Thurm" ge- 
geben haben. Dieser Pavillon, von Pfeilern getragen und mit 
steinerner Kuppel bedeckt, enthält eine Wendeltreppe, die zu 
dem ehemals sich anschliessenden Zwinger hinabführte. Dieser 
Kugler, GESCll. d. Baukunst. V. 18
        

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