Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312913
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III. Buch. 
in Deutschland, 
Renaissance 
rege Thätigkeit der Strassburger Buchdrucker wirkte nicht minder 
fördernd auf die bildende Kunst, und in der ersten Hälfte des 
16. Jahrhunderts war eine Anzahl tüchtiger Künstler besonders 
für Zeichnungen zum Holzschnitt dort beschäftigt. Als Architek- 
ten lernen wir gegen Ende der Epoche nicht bloss Riedinger, den 
Erbauer des Schlosses von Aschaffenburg und Wendel Dietterlein. 
der zugleich als Maler thätig war, kennen, sondern vorzüglich 
auch Daniel Speclde, der sich als Baumeister, namentlich in der 
Kriegsbaukunst hervorthat. Geboren 1536 zu Strassburg, lernte 
er zuerst Formschneiden und Seidensticken, durchzog dann ver- 
schiedene Länder, bis er nach Wien kam, wo ihn der kaiserliche 
Baumeister Solizer kennen lernte und in der Kriegsbaukunst 
unterrichtete. Von Maximilian II und dem Erzherzog Ferdinand 
zu ihrem Rüstmeister ernannt, kehrte er 1574 nach Strassburg 
zurück, fertigte ein Holzmodell der Stadt und wurde zum Städte 
baumeister ernannt. Sein oben erwähntes Werk über die Kriegs- 
baukunst genoss lang-e Zeit eines hohen Ansehens. Schon vorher 
hatte er für Herzog Albrecht von Baiern die Befestigung von Ingol- 
stadt geleitet und viele andere Fürsten und Städte mit seinem 
Bath unterstützt. Auch in Strassburg legte er Festungswerke an. 
und errichtete das später als Börse, jetzt als Postamt dienende 
Rathhaus um 1583. Er starb 1589. 
Strassburg besitzt nur Wenige Ueberreste der Baukunst 
jener Zeit. Der früheren Epoche gehört das Frauenhaus beim 
Münster!) Im Wesentlichen noch gothisch, sowohl in Anlage 
als künstlerischer Formbehandlung, zeichnet es sich besonders 
durch die schöne Wendelstiege aus. Auch diese ist überwiegend 
spätgothisch, die Rundstäbe sind zum Theil als knorrige Aeste 
behandelt, aber die stützenden Säulen haben Renaissanceform. 
Auch de1' Saal im Erdgeschoss, welcher jetzt der Modellsammlung- 
dient, enthält höchst eigenthümlich behandelte ionische Säulen, 
mit Akanthusblättern an den Kapitälen. Die Decke wird zum 
Theil durch ein gothisches Netzgewölbe, zum Theil durch eine 
ebenfalls mittelalterlich behandelte Holzdecke gebildet. Die deko- 
rative Malerei der Wände, von welcher noch Reste vorhanden, 
zeigt wieder Renaissancemotive. 
Der ausgebildeten Spätrenaissance gehört sodann das oben 
erwähnte von Daniel Speckle erbaute ehemalige Rathhaus, 
  Prof. Woltmann verdanke ich manche sehätzenswerthe handschrift! 
llflheuNotizen über das Unter-Elsass. Anderes dem Herrn Abbö Straub, 
blschoü. Generalsecretär in Strassburg.
        

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