Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312893
258 
Buch. 
III. 
Deutschland. 
Renaissance in 
farbige Gemälde, die freilich zum Theil zerstört sind, ein heiteres- 
Gepräge. Die Gegenstände scheinen dem alten Testamente an- 
gehört zu haben, während am Erker Gestalten von Tugenden 
angebracht sind. Am unteren Friese liest man die Jahrzahl 1577, 
der Bau selbst stammt aus früherer Zeit, Wie die Jahrzahl 1538 
an der Erkerwand beweist- 
Eine zweite Facade haben wir in Figur 46 auf S. 182 ge- 
geben. Sie gehört der späteren Zeit des Jahrhunderts an, ist in 
der Mitte mit einem prächtigen Erker geschmückt, der an allen 
Flächen mit einem fein behandelten Ornament bedeckt ist, welches 
gepresste Lederverzierungen nachahmt. Der hohe mit Voluten 
dekorirte Giebel vollendet das charakteristisch deutsche Gepräge 
dieser Fagade. Sie trägt die Jahrzahl 1600. Bemerkenswerth ist 
wieder für diese Spätzeit, dass das Geländer, welches den Erker 
krönt, noch die Formen gothischen Maasswerks zeigt. Noch eine 
andere ähnliche Fagade hat sich in Colmar erhalten, wie denn 
überhaupt die Stadt Martin Schön's mehr als eine andere im 
Elsass das Bild einer alten deutschen Stadt bewahrt hat. 
An Originalität und Schönheit übertrifft indess alle andern 
Bauten ein der Südseite der Martinskirehe gegenüber liegendes 
Haus, an dessen kleinem, noch gothisirendem Seitenpförtchen 
man die Jahrzahl 1575 liest. Den Glanzpunkt der sonst ein- 
fachen Facade (Fig. 71) bildet jedoch das Hauptportal mit seinen 
cannelirten dorischen Säulen und dem darüber sich breit ent- 
wickelnden balconartigen Erker. Di_e originelle Grundform des- 
selben, der prächtige Schmuck von korinthischen Säulen und 
schön gearbeiteten Masken verleihen ihm einen hohen Werth. 
Der untere Fries besteht ebenfalls aus Masken, die von auf- 
gerollten Cartouchen eingerahmt sind. Das Figürliche ist hier 
durchweg mit grossem Geschick behandelt. 
Unter-Elsass. 
In keiner Provinz Deutschlands zeigt sich während des 
15. und 16. Jahrhunderts eine grössere Kraft und Fülle des 
geistigen Lebens als im unteren Elsassß) Schon 1450 wurde in 
Schletstadt durch Ludwig Dringenberg eine gelehrte Schule er- 
öffnet, aus welcher eine Anzahl tüchtiger Humanisten hervorging. 
Bald darauf gründete auch Strassburg seine Schule und wurde 
für lange Zeit der Mittelpunkt eines regen gelehrten Treibens. 
i) Ueber das geistige Leben des Elsasses in dieser Epoche vgl. StrobePs 
vaterl. Geseh. des Elsasses III, 440 ff. 515 H. IV, 122 ff. 247 ff.
        

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