Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312757
244 
III. 
Buch. 
in Deutschland. 
Renaissance 
Stil, wie denn auch sonst alles Architektonische in den Bildern 
der neuen Kunstrichtung angehört. Sodann haben mehrere 
Brunnen in Iden Strassen der Stadt, zum Theil freilich vor 
kurzer Zeit beseitigt, die übliche Composition einer Renaissance- 
säule, welche auf dem Kapital eine Figur trägt. 
Weitaus das schönste Denkmal der Kunst dieser Zeit be- 
sitzt der Alte Seidenhof in einem grossen Zimmer seines 
oberen Geschosses. Das Haus hat von aussen nichts Bemerkens- 
werthes, wie dies meistens mit den gleichzeitigen Privathäusern 
der Schweizerstädte der Fall ist. Aber der obere Saal, von 
welchem wir in Fig. 68 eine Abbildung beifügen, gewahrt wohl 
eins der schönsten Beispiele damaliger Innendekoration. Der 
gemalte Ofen mit seinen beiden Sitzen vom Jahre 1620 ist ein 
wahres Prachtstück der Schweizer Hafnerkunst. Mit der ebenso 
reichen als kräftigen Holztäfelung der Wände und der Decke, 
deren dunkelbrauner Tonvon den hellen und frischen Malereien 
des Ofens wirksam abstecken, bildet er ein unvergleichliches 
Ganze. Bemerkenswerth ist, dass sich in der Ecke, wo der 
Ofen aufgebaut ist, eine Verkleidungg; der Wände mit ähnlichen 
gemalten Thontiiessen fortsetzt. Die hier angewandten geschweif- 
ten Saulchen sind in der Behandlung dem Material ebenso ent. 
sprechend, wie die Holzsäulen der Wandbekleidung dem ihrigen. 
In solchen Dingen besitzt jene von uns im Hochmuth unserer 
vermeintlich höheren Kunstbildung so oft geschmähte Zeit eine 
sehr beachtenswerthe Sicherheit des Stilgefühls. 
Aus derselben Zeit, inschriftlich von 1616, datirt die Aus- 
stattung des oberen Saales im Hause zum Wilden Mann 
Einer der zierlichsten gemalten Oefen der Schweiz schmückt. den 
Raum, der seine schöne alte Tafelung noch vollständig bewahrt. 
Wie so oft bildet auch hier sich eine besonders abgegrenzte Ab- 
theilung' für die Schlafstätte. Ein Beispiel solcher Airordnung- ist 
oben auf Seite 93 an einem Zimmer aus Altorf beigebracht. 
Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts schritt dann Zürich 
zum Bau eines neuen Rathhauses, das wir trotz dieses späten 
Datums hier mit einreihen, weil es im Wesentlichen noch ziem- 
lich rein in den Formen ist. Die Stadt hatte schon 1398 ihr 
altes Rathhaus abgebrochen und dafür ein neues erbaut 1), wel- 
ches dann seit 1694 durch das noch jetzt vorhandene ersetzt 
wurde. Auf Pfeilern mit kräftigen Bögen weit in die Limmat 
hinaustretend, steht es, durch die Enge des Terrains gezwungen, 
zur Hälfte auf dem Flusse. Die Niedrigkeit der Stockwerke, die 
Chrom. 
Stumpff, 
160.
        

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