Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312742
Kap- 
Die deutsche Schweiz. 
Zürich. 
243 
gehalten werden, sowie mit gemalten Giebeln und freieren Orna- 
menten reich entfaltet. Volleren Figurenschmuck endlich, theils 
in einzelnen Gestalten, theils in grösseren Compositionen, hat der 
Künstler an den Flächen zwischen den Fenstern sowie an dem 
breiten Pries, welcher die beiden oberen Stockwerke trennt, aus- 
gebreitet. Auch eine imitirte Galerie, hinter welcher zwei männ- 
liche Zuschauer, der eine von seinem treuen Hunde begleitet, 
sichtbar werden, fehlt im oberen Giebelbau nicht. Am meisten 
aber fesselt die in kühner Verkürzung scheinbar aus der Flache 
heraussprengende ritterliche Gestalt des Curtius, welche zwischen 
den oberen Giebelfenstern die Mitte der Faeade einnimmt und 
wegen ihrer täusehenden Lebendigkeit schon die Bewunderung 
der Zeitgenossen erregte. Die benachbarten Fenster haben durch 
Karyatiden und Hermen sowie reiche Gesimse einen dem Ganzen 
entsprechenden Ausdruck von festlicher Pracht erhalten. Bei 
Sfflchen leider nur noch vereinzelten Schöpfungen begreifen wir 
die Bewunderung, welche die alten Reisenden, ein Michel de 
Montaigne und Andere, über die ganz mit gemalten Facaden be- 
setzten Strassen Augsburgs und der Schweizer Städte aussern. 
ä In Schaffhausen hat auch das Haus zum Käfig noch Reste 
SfJlcher Malereien. Man sieht namentlich den in einen Käfig 
eingeschlossenen Bajazet im Triumph einhergeiiihrt. 
Aus derselben Zeit besitzt die Stadt noch ein gewaltiges 
Werk damaliger Befestigungskunst im Munoth, einem runden 
Bollwerk mit runden Thürmen neben einem mittelalterlichen 
viereckigen Thurm. Schmucklos, aber gediegen in trefflich aus- 
geführtem Qnaderbau erinnert dies imposante Werk an die 
grossartigen derselben Zeit angehörigen runden Thürme der 
Nürnberger Stadtbefestigung. 
Zürich. 
S0 wichtig Zürich schon damals für die geistige Bewegung 
der Schweiz war, so scheint dieselbe doch mehr auf religiösem, 
als auf künstlerischem Gebiete sich bethätigt zu haben. Wenig- 
Sleus ist uns aus der Frühzeit der Renaissance kein Denkmal 
(1011 erhalten, wenn man nicht etwa den kürzlich wieder auf- 
gefundenen von H. Holbein bemalten Tisch, jetzt im BßSit-Z der 
Stadtbibliothek, ausnehmen will. Auch die HellSehnitte in 
stumpfe Schweizer Chronik, 1548 in Zürich erschienen, mögen 
hier besonders wegen der reichen Renaissanceformen des Titel- 
blattes Erwähnung finden. Nicht minder zeigen die Fürsten- 
blldnisse, welche sie enthält, zierliche Einrahmungen in demselben 
1696
        

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