Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312689
Kap. 
Die deutsche Schweiz. 
am Rhein. 
Stein 
237 
bezeichnet. Die oberen Fensterbogen sind in ihrer tiefen Lai- 
bung mit Arabesken und phantastischen Thieren bemalt, welche 
in viel steiferer Zeichnung auf die Hand eines Gehülfen deuten. 
Auch die Einzelgestalten in den Fensternischen gehören über- 
wiegend dem klassischen Alterthum an, so Lncretia, Hercules in 
Ritterrüstung, Curtius in kühner Verkürzung zu Pferde. Sodann 
andere weltliche Darstellungen: eine Dame mit einem Falken, 
eine andere mit einem Kaiserportrait, wieder eine andere mit 
einem Becher, sämmtlich prachtvolle Kostümbilder. Ein Narr 
mit einer Geigenspielerin buhlend, gegenüber der Tod eine 
Lautenschlagerin fassend, zwei der besten Bilder. Endlich eine 
Juditli, sodann im Erker ausschliesslich Christliches: die Madonna 
mit dem Kinde, St. Sebastian und Christophorus, St. Georg zu 
Pferde und ihm gegenüber St. Michael mit dem Teufel um eine 
Seele kämpfend. Der ganze Cyelus gehört zu den umfangreichsten 
deutschen Wandgemälden der Zeit, und es wäre von Werth, zu 
ßämitteln, von welchem Meister die Bilder herrühren. Einen 
Flllgerzeig hat der Künstler gegeben, denn über der Hauptthür 
hflltßn zwei auf blauem Grunde grau in grau entworfene Putti 
91116 grosse gemalte Sehiefertafel, auf welcher man in schönen 
römischen Majuskeln das Monogramm w liest. Dieses mir 
unverdächtig scheinende Zeichen bietet vielleicht weiteren Nach- 
forschungen einen Anhalt. 
 Unter den gemalten Facaden zeigt der Weisse Adler die 
lntflrcssanteste. Trotz einer plumpen Erneuerung vom Jahre 1780 
Weist der Charakter der architektonischen Einfassungen sowie 
dm gesammte Eintheilung; auf die erste Hälfte des 16. Jahrhun- 
derts (Fig. 67). Der erste Stock ist fast ganz mit Fenstern durch- 
brochen, doch blieb in den Ecken noch Raum für einzelne Figuren. 
Rechts "sieht man einen Kriegsknecht mit einem Mädchen, links 
eine Paniskc, welche ein Kind hält. Die beiden oberen Geschosse 
gaben dem Maler Gelegenheit, durch seine Ausschmiickung die 
Unregelmäßigkeiten der Einthcilung zu verdecken. Die Fenster 
Smd mit gemalten Säulen und Pilastern eingefasst, neben 11111611 
{Wei grosse perspectivisch gemalte Bogenhallen, mit goldenen 
Iwsetten auf dunkelblauem Grund, eingefasst von Pilastern mit 
Vvßlssen Ornamenten auf rothem Grund. Die Farbenwirkung ist 
Sehr gut, das Figürliche, Scenen aus der römischen Geschichte 
und Sage, sehr gering und roh, zum Theil wohl auch in Folge 
der Erneuerung. Von den Einzelbildern hebe ich die Darstellung 
der Angeklagten hervor, ivelche die Hand in den Rachen des Löwen
        

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