Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312679
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III. Buch. 
in Deutschland. 
Renaissance 
den kräftigen Maassiverken der Fenster und den Netzgewölben, 
deren Rippen an den Durchschneidungspunkten in Gold und Blau 
gefasst sind. Auch die Decke des Hauptsaales ist noch völlig 
gothisch. Sie zeigt prächtige Schnitzereien von gothischem Blatt- 
werk und gewundenen Bändern, welche Motive in rhythmisch 
wechselnder Anordnung verwendet sind. Auch die Bemalung 
der Decke ist nach ähnlichen künstlerischen Gesichtspunkten 
durchgeführt. Eine Inschrift meldet, dass Abt David von Winkels- 
heim das Werk im Jahre 1515 habe ausführen lassen. 
Während hier das Mittelalter noch herrscht, während auch 
der Erker des Saales Iein gothisches Rippengewölbe zeigt, gehört 
der Meister, welcher inschriftlich 1516 die Wandgemälde ausge- 
führt hat, schon völlig der Renaissance. In den Gegenständen 
der Bilder offenbart sich auffallender Weise keine Spur kirch- 
liche1', ja selbst nicht einmal christlicher Anschauung. Die sechs 
Hauptbildei" gehören der römischen und karthagischen Geschichte 
an, und zwar mit Gedankenparallelen, wie sie die mittelalterliche 
Kunst aus dem alten und neuen Testament zusammen zu stellen 
liebte. Man sieht die Erbauung Roms und die Gründung Kar- 
thagos; Scipio lässt die römischen Edlen dem Vaterlande Tlreue 
schwören: Hannibal schwört als Knabe den Römern ewige Feind- 
schaft. Einnahme Karthagds durch die Römer: Eroberung Sagunts 
durch die Karthager. Dazu gesellen sich zwei grosse Bilder, 
auf welchen Strassenscenen einer mittelalterlichen Stadt, beson- 
ders ein lebendig geschilderter Pferdemarkt gegeben sind. Also 
antike Geschichte und genrehaftes Volksleben als beliebter Inhalt 
der neuen Kunst. Dem entspricht die architektonische Behand- 
lung des Ganzen, die einen in den Formen der Renaissance 
völlig bewanderten Künstler zeigt. Ein grau in grau gemalter 
Sockel ahmt eine läekleidung mit gebrannten und glasirten Fliesen 
nach. Darauf erheben sich Pilaster, Welche die Wände in grössere 
und kleinere Bogenfeldei- theilen. Goldornamente sind an den 
Postamenten und den übrigen Flachen aufgemalt, goldne Vasen 
über den Kapitälen angebracht: dies Alles von eleganten Formen 
und feiner Wirkung. Trefflich harmoniren damit die Gemälde, 
grau in grau auf blauem Grunde ausgeführt, nur im Haar und 
den Schmucksachen ist etwas Gold. 
Auch in den Bildern sind viele Renaissancemotive, nament- 
lich beim Schwur Scipids und dem Hannibals, wo der Altar 
einen Aufsatz von zierlichen Renaissanceformen hat, darauf ein 
Götzenbild in Gestalt eines Ritters und der Inschrift M. D. (Mars 
Deus.) Am Unterbau des Altars Putti zu Fuss und zu Pferd in 
lebendigem Kampf. Diese beiden Bilder sind mit 1515 und 1516
        

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