Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312666
goldete Eisengitter, welches den Taufstein umgiebt, ein gutes 
Beispiel der Schmiedekunst jener Zeit.  Endlich ist die an der 
Nordseite der Franziskanerkirche gelegene Marienkapelle ein 
vollendetcs Werk der Renaissancedekoration. Der dekorirende 
Meister fand einen schlichten, mit gothischen Netzgewölben be- 
deckten Raum vor. Er gab nun den Rippen in Stucco eine ele- 
gante antikisirende Gliederung mit Perlstab und Kymation und 
veitheilte auf die einzelnen Gewölbefelder schwebende Engel- 
gestalten in den mannigfaltigsten Stellungen, köstlich in den 
Raum componirt, von so anmuthvoller Bewegung und Bildung, 
dabei so prachtvoll in Stuck durchgeführt, dass man an einen 
italienischen Künstler und zwar einen der trefflichsten denken 
muss. Obwohl die Arbeit auf das 17. Jahrhundert deutet, sind 
dlß Figuren doch ohne alle Aifectation. Die Schweiz muss damals 
überhaupt zahlreiche oberitalienische Stuckatoren und Intarsia- 
toTßn verwendet haben, denn die Spuren derselben findet man 
110611 jetzt an manchen Orten.  Neben dieser Kapelle liegt eine 
andere, die Antoniuskapelle, ein Achteck mit Kuppel undi 
kleiner Laterne, ein Werk des '18. Jahrhunderts, schon zopfig in 
(16.11 Formen, aber ebenfalls sehr reich stuckirt. 
Stein 
{L 111 
Rhein. 
w Fast ebenso früh wie in Basel und Luzern lassen sich die 
blmren der Renaissance in Stein nachweisen. Die kleine alter- 
thürnliche Stadt trägt nicht bles in charakteristischer Weise das 
Gelwäge der gemüthlich anheimelnden Städte am Oberrhein, son- 
dßPll bewahrt auch in einer ansehnlichen Zahl der an seiner 
Ilauptstrasse gelegenen Hauser Beispiele der ehemals in diesen 
(fegßnden allgemein beliebten bemalten Faeaden. Zwar sind 
flleselben von ziemlich geringen Lokalkünstlern ausgeführt, zum 
llheil in späterer Zeit erneuert und W0lll auch umgestaltet; aber 
als Ganzes bieten sie immer noch ein werthvolles Gesammtdenk- 
mal der Renaissance. Diese selbst scheint hier zuerst in den 
noch erhaltenen Wandgemälden eines Saales im ehemaligen 
Kloster aufgetreten zu sein. Das Kloster erhebt sich als male- 
nsßhä mittelalterliche Baugruppe am rechten Ufer des Rheins, 
(Pissen Fluthen den Haupttheil des Gebäudes -mit seinem stark 
Porspringenden Erker bespülen. Am Eingangsthor des Klosters 
täißt man die Jahreszahl _1516. Die Haupttheile des Baues da- 
n eh ohne Zweifel aus Jener Zeit. Alles Architektonische ist 
Och gotlnsch; so sämmthchc 'l'huren und die Kreuzgänge mit
        

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