Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312537
222 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Allgemeiner Theil. 
Schickhardfs Nachlass, jetzt in der öffentlichen Bibliothek 
zu Stuttgart, giebt uns übrigens einige Anhaltspunkte für Art 
und Umfang der Studien eines damaligen deutschen Baumeisters. 
Ausser zwei italienischen Reisen, von welchen seine Tagebücher 
sammt zahlreichen Zeichnungen vorliegen, machte er später eine 
Studienreise durch Lothringen und Burgund. Was ihn auf diesen 
Reisen besonders fesselt, ist nicht bloss die Anlage und Kunst- 
form der Paläste, sondern auch Alles, was er irgend von tech- 
nischen und mechanischen Dingen beobachten kann, namentlich 
der Wasserbau in Anlagen von Mühlen und Schleusen, endlich 
die Gärten mit ihren Springbrunnen, Grotten und Wasserkünsten, 
denen er im Sinne seiner Zeit eine besondere Aufmerksamkeit 
widmet.  Ueber den Umfang seiner literarischen Kenntnisse 
erhalten wir durch das handschriftliche von ihm selbst aufgesetzte 
Verzeichniss seiner Bücher und Kunstsachen schätzbaren Auf- 
schluss. Wir finden ihn im Besitz einer für jene Zeit höchst an- 
sehnlichen Büchersarnmlung, in welcher nichts fehlt, was sich 
auf seine Kunst in dem weiten Umfange, in welchem man die- 
selbe damals verstand und betrieb, irgend bezieht. Die Lehr- 
bücher eines Vitruv, Serlio, Palladio, Philibert de POrme, Du 
Cereeau, Rivius sind in seinem Besitz, und bis auf seinen „lieben 
und guten Freund" Ditterlein hat er alles neu Erschienene sich 
zu verschaffen gewusst. Doch darüber ist später im Zusammen- 
hang mit den Werken des Meisters ausführlicher zu reden. 
Im Ganzen waren also die Baumeister wohl auf literarische 
Quellen für das Studium der antiken Kunst angewiesen. Rivius 
spricht freilich nicht mit grosser Achtung von Solchen, welche 
in ihren Kasten „allerlei Kunst" besässen und sich derselben 
dann in ihren eigenen Werken bedienten. 1) Diese Art zu 131-0- 
duciren war also schon damals nicht unbekannt. Ein interessantes 
Beispiel, in welcher Weise man sich solche Sammlungen anlegte, 
bietet ein Buch im grössten Folio, vom Nürnberger Stadtbau- 
meister Wolfgang Jacob Stromer herrührend, jetzt im Besitze des 
Bürgermeisters v. Stromer in Nürnberg. Es beginnt ganz syste. 
matisch mit einem Plane und einer Ansieht der Stadt; dann 
folgen Brunnen, Brücken, Entwürfe zur Fleischbrüeke, darunter 
ein sehr schöner mit gothischem Maasswerkgelander und einer 
Renaissancesaule in der Mitte mit Figur der Justitia. Brücken 
von Bamberg, Regensburg, Dresden (diese mit Ansicht des alten 
Schlosses) sind hinzugefügt zum Zeichen von der Vielseitigkeit 
Oben S. 
149.
        

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