Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312523
Kap 
deutschen Renaissance. 
Gesammtbild der 
221 
voll stolzen Bewusstseins derselben. In Frankreich beginnt um 
1540 die Thätigkeit einer Reihe grosser Architekten, eines Pierre 
Lescot, Philibert de POrme, Jean Bullant, die in Italien ihre Stu- 
dien gemacht hatten und dieselben im Dienst eines glänzenden 
Hofes an Werken zum Theil ersten Ranges verwertheten. Etwas 
Aehnliches finden wir in Deutschland nicht. Die Werke aus der 
Zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fangen zwar allmählich an, 
klassischer sich zu gestalten; aber erst gegen den Ausgang der 
Elwche, etwa seit 1580, trifft man unter ihnen solche, die auf 
Studien in Italien deuten. Und auch dann giebt es daneben 
noch viele, in welchen die ältere naive Weise der Composition 
und Formgebung ungestört fortbesteht. 
In der That scheinen die damaligen deutschen Meister nur 
ausnahmsweise Studienreisen nach Italien unternommen zu haben. 
Ihre Kenntniss der antiken Architektur schöpften sie ohne Zweifel 
Zümeist aus den zahlreichen theoretischen Schriften, unter welchen 
(118 Bücher von Rivius einen hervorragenden Platz eingenommen 
Zll haben scheinen. Nur so erklärt sich deren grosse Verbrei- 
tung durch wiederholte Auflagen. Die auf solche Weise gewon- 
nene gelehrte Bildung gab dann den Architekten ein höheres 
Selbstgefühl, das sich gegenüber denen, welche in schlichter her- 
gebrachter Manier verharrten, an manchen Stellen in der Lite- 
ratur der Zeit Luft gemacht hat. Wir sahen schon, wie sich der 
ehYSame Tischler Rutger Kässmann stolz als „vitruvianischen 
Architekten" ankündigtß) Auch die französische Kunst wirkte 
hauptsächlich auf solchen Wegen hie und da auf die deutsche 
QIQ- So finden wir mehrfach die Spuren Du Oerceaus, wie denn 
bei Johann Bussemacher (Büchsenmacher) in Köln eine Samm- 
lung römischer Ruinen erschien, in deren Vorrede der Heraus- 
geber sagt, er habe „wie der Jacobus" gethan und diese Sachen 
veröffentlicht, damit „in unseren Landen wir's ebenso wol hatten 
als die Walen und Franzosen durch des Jacobi Vorsichtigkeit". 
Im Dienst der Fürsten gewannen denn auch die so gebildeten 
Architekten eine angesehenere Lebensstellung. Schickhart trafen 
W11" als Begleiter seines fürstlichen Herrn Herzogs Friedrißll W11 
Würtemberg auf einer italienischen Reise?) Er war indess, wie 
W11" aus seinen eigenen Aufzeichnungen wissen, 8011011 Vorher 
längere Zeit in Italien gewesen; auch darf man seine Bekannt- 
schaft mit Giovanni da Bologna wahrscheinlich auf eine frühere 
Pßrsönliche Begegnung zurückführen. 
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151. 
E) Oben
        

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