Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312488
deutschen Renaissance. 
Gesammtbild der 
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alterlichen Formen und Constructionen noch stärker dabei zur 
Verwendung als selbst im Profanbau. Das Entscheidende ist, 
dass das gothische Rippengewölbe nicht bloss in der einfacheren 
Gestalt des Kreuzgewölbes, sondern vorzugsweise in den kom- 
plicirteren Netz- und Sternverbindungen festgehalten wird. Sogar 
die Polyehromie des Mittelalters bleibt mit ihren kräftigen Farben 
und ihrem reichen Goldschmuck dabei in Kraft. So zeigt noch 
die Kirche zu Freudenstadt vom Anfang des 17. Jahrhunderts' 
ein prachtvollcs Netzgewölbe mit zahlreichen elegant deeorirten 
Schlusssteinen. Die Marienkirche in Wolfenbüttcl, aus der- 
selben Zeit, hat Kreuzgewölbe, deren Rippen mit antikisirenden 
Eierstäben besetzt sind. Die Kapelle in Liebenstein zeigt in- 
(iess an ihren Kreuzgewölben wiederum gothische Profile. In 
der Universitätskirche zu Würzburg haben dagegen die Kreuz- 
gewölbe die Formen des Mittelalters abgestreift. Im Zusammen- 
hang damit werden namentlich die Fenster immer noch über- 
wiegend spitzbogig und mit gothischem Maasswerk behandelt; 
So in Liebenstein und Frcudenstadt, während in Wolfen- 
büttel eine phantastische Umbildung in üppiges Laubwerk der 
Renaissance vollzogen ist, in Würzburg aber eine völlige Ver- 
schmelzung von Gothil; und Antike versucht wird, so dass die 
Fenster von Rundbogen mit architrairirtem Rahmen eingefasst, 
aber mit gothischem Pfostcn- und Maasswerk getheilt sind, über 
ihnen sodann auf barocken Voluten sich ein flacher Bogen- 
giebel ausbreitet. 
Auch in der Grundrissbildung folgt man zumeist noch der 
gothischen Ueberlieferung und schliesst das Langhaus mit poly- 
gonem Chor. So in Wolfenbüttel, in Liebenstein und zum 
Theil auch in Freudenstadt. ln Würzburg dagegen, wo die 
Renaissance kräftiger zur Geltung kommt, zeigt der Chor eine 
halbrunde Apsis. Von den Schlosskapellen ist hier namentlich 
die im alten Schloss zu Stuttgart als ein im Wesentlichen noch 
gothischer Bau hervorzuheben. Im Friedrichsbau zu Heidelberg 
dagegen ist eine stärkere Einwirkung der Renaissance auch im 
der Kapelle zu erkennen. Die Kapelle im Schloss zu Heiligen- 
berg hat hölzerne Kreuzgewölbe mit hängenden Schlusssteinen, 
die Rippen und die Kappen prächtig polyßhlßmifi- Allßil im 
Schloss zu Weikersheim sind hölzerne Rippcngewölbe mit ge- 
malten Schlusssteinen, hier aber auf dorischen Säulen. In allen 
diesen Bauten kommt die Renaissance mit ihren antiken Form- 
bildungen hauptsächlich den freien Stützen, den Emporen und 
den Portalen zu Gute. An der Kirche zu Freudenstadt sind 
nicht weniger als fünf Prachtportale, deren Oeffnung zwar spitz-
        

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