Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312477
216 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Allgemeiner 
Theil. 
Weltkundiger Mann wie Michel de Montaigne 1) war davon ent- 
zückt. Einen prächtigen Garten besass auch der Konsul Gerbrodß) 
mit Fischteichen, gewundenen Spazierwegen, Springbrunnen, 
Weinspalieren und Obstbäumen nebst ausgemalten Gartenhäuschen. 
Auch Jacob Adler und Veit Wittich unterhielten schmuckreiche 
Gärten. 3) Vom Lustgarten zu Stuttgart weiss ein Zeitgenosseli) 
zu rühmen, dass selbst die Königin von England keinen ähn- 
lichen habe. Die Gärten der Residenz zu München, sowie der 
Schlösser zu Nymphenburg, Fürstenried und Schleissheim, aller- 
dings grossentheils schon späteren Ursprungs, hat Matthäus Disel 
in seiner "Erlustierender Augen-Weyde" herausgegeben. 5) Auch 
Joseph Furttenbach bringt in seiner ,.Architectura recreationis" 
nicht bloss Darstellungen von bürgerlichen Wohnhäusern und 
Palästen, sondern auch Anlagen von Lustgarten neben Theater- 
scenen u. dglß) Alle diese steifen Anlagen erhalten erst ihre 
volle Bedeutung, wenn wir sie im Geiste mit den immer gravi- 
tätischer werdenden Menschen der damaligen Zeit in dem schweren 
Pomp ihrer Erscheinung, ihrer Tracht und ihres Gebahrens be- 
völkern.  
Bis jetzt haben wir ausschliesslich uns mit Profanbauten be- 
schäftigt und den Kirchenbau unbeachtet gelassen. In der 
That wiegt derselbe in der deutschen Renaissance nicht schwer, 
und zwar nicht bloss an künstlerischem Werthe der einzelnen 
Leistungen, sondern auch überhaupt an Zahl der ausgeführten 
Werke. Nur in Italien hat die Renaissance alle baulichen Unter- 
nehmungen mit neuem Geiste durchdrungen, und 'wenn ihr 
Kirchenbau nicht ganz auf der Höhe der Profanarchitektur steht, 
so kommt er ihr doch an Fülle, Mannigfaltigkeit und Schönheit 
der Werke sehr nahe. In Deutschland dagegen herrscht ein 
ähnliches Verhältniss der Renaissance zum Kirchenbau wie in 
Frankreich. Wie dort bleibt man auch hier bis tief ins 16. Jahr- 
hundert der Gothik im Kirchenbau treu. Die religiösen Wirren 
der Zeit liessen es sodann bei uns noch weniger als in Frank- 
reich zu neuen kirchlichen Bauten kommen. Erst in der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts dringen allmählich die Formen des 
neuen Stiles in den Kirchenbau ein. Doch kommen die mittel- 
1) M. de Montaigne, Journal de voyage I. p. 98.  2) Des Grafen von 
Waldeck Tagebuch. p. 49.  3) Ebenda p. 103. 172. 181.  4) Joh. Jac. 
Breuningyon Buchenbach, Reisen, p. 35.  5) Erlustierender Augen- 
Weyde- -Zweyte Fortsatz, vorstellend die Weltberühmte churfürstliche 
Residenz in München, gezeich. v. Blatthäus Disel, Ch. F. Garten-Ingenieur, 
bey Jerem. Wolff in Augspurg.  6) Josephus Furttenbach, architectura 
recreationis. Augsb. 1640.
        

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