Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312321
Kap 
Gesammtbild der 
Renaissance. 
deutschen 
201 
(Kap. XI) und, noch einfacher mit wenigen Farbentönen, an der 
Maxburg daselbst (Kap. X1); oder mit Sgraffiten, oder endlich 
mit einer Behandlung des Putzes, der mit glatten Ornamenten 
auf rauhem Spritzbewurf einfach und gut zu wirken weiss. Man- 
ches der Art sieht man noch in Ulm, Sgraffitoreste finden sich 
namentlich noch ziemlich zahlreich in Schlesien. 1) So besßlldßrß 
in der Burg Tschocha bei Mark Lissa in der Lausitz. Burg, 
Reithahn und Schaferhaus haben Diamantquadern, fast alle alten 
Gebäude des Wirthschaftshofes, besonders das Thor Diamant- 
(luadern und kräftige Ornamente, namentlich Torus mit Medaillen- 
Dßrtraits. Die Scheune links vom Eingang über einem hübsch 
Variirtcn Torus Jagdscenen von frischer Oomposition und auf- 
fallender Kühnheit der Zeichnung in fast lebensgrossen Figuren, 
1n einer Lange von circa 100 Fuss an drei Scheunen entlang. 
Am Giebel der dritten Scheune Erntefestscenen, hurnoristisch mit 
Thiergestalten vermischt. Entstehungszeit Wahrscheinlich Anfang 
des 17. Jahrhunderts, am Hofthor früher die Jahrzahl 1611. An- 
deYß Sgraffitds in Schlesien an der Burg Greifenstein, der 
Bolkoburg bei Bolkenhain, ehemals zahlreich in Liegnitz, 
_Z- B. ein Haus von 1613, selbst in Dörfern: meist Quadrungen 
und architektonisches Ornament. Spuren noch jetzt am Schloss 
111 Warta, besonders reich in der Stadt Löwenberg, ferner in 
der Oberlausitz: tapetenartige Dekorationen der Aussenwande am 
Piastenschloss zu Brieg. Anderes in Böhmen, in Prag PäüßSf 
Schwarzenberg 1550 mit Diamantquadern. Farbige Fresken in 
der Schlosskapelle zu Tschocha, in der Bolkoburg, in der 
Klosterkirche des Oybin bei Zittau. Zusammenhang mit Kra- 
kau, WO ebenfalls noch Sgraftiti.  Dies ganze Genre ist der 
französischen Renaissance so gut wie fremd. Die plastisch-archi- 
tektonische Behandlung der Facade überwiegt dort die malerische 
wie schon im Mittelalter, und der Reichthum des Landes an 
guten Bausteinen begünstigt diese Richtung. 
Wir haben uns nunmehr zur Betrachtung der Grundrisse 
Zll Wenden, und beginnen hier mit der Anlage der Schlösser; 
Während der italienische Palastbau der Renaissance sich von 
aller mittelalterlichen Tradition zu lösen sucht und zu regel- 
mässigen klar gegliederten Anlagen durchdringt, ist in Frank- 
Yßich und Deutschland die feudale Gewohnheit noch lange über- 
wiegend undgiebt dem Schlossbau auch ferner das malerische 
  Die nachfolgenden Notizen sind einem Aufsatze von M. Lohdc, 
Zeitschr. f. Bauw. 1867. I u. II, entlehnt; Abbild. auf Tafel 19. Vgl. auch 
den Aufs. von 131-. Sammter im D. Kunstbl. IV. 1853. s. 230.
        

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