Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312317
200 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Allgemeiner Theil 
hinaus. Dazu kommen allerlei perspectivische Täuschungen: ge- 
malte Galerien mit neugierigen Zuschauern, Balkone mit Musi- 
kanten und dergleichen. Alles dieses giebt solchen Facaden das 
Gepräge heiteren Lebens, und wenn auch die Ausführung der 
noch erhaltenen häufig nur von geringen Händen zeugt, so be- 
herrscht doch das Ganze ein Stilgefühl, ein Verstandniss für das 
monumental Angemessene, dass unsere Zeit selbst bei den gerin- 
geren dieser Facaden in die Lehre zu gehen hat. 
Die Unbill der Zeiten und mehr noch die blöde Feindschaft 
der Menschen hat Weniges von diesen Werken auf uns kommen 
lassen. Eine der besten Faeaden ist die des Rathhauses in 
Mühlhausen (Figz 69) mit einer gemalten Saulengalerie im 
Hauptgeschoss und ebenfalls gemalten Nischen zwischen Pilaster- 
stellungen im oberen Stockwerk, darin Gestalten von Tugenden. 
Die Fenster sind mit Festons geschmückt, die gleich den Rustica- 
quadern des Erdgeschosses ebenfalls von der Hand des Malers 
herrühren. Grade an diesem Beispiel wird recht klar, wie die 
Malerei über die grössten Unregelmitssigkeiten hinwegtäuscht und 
einer architektonisch werthlosen Fagade einen künstlerischen 
Stempel aufprägt. Interessant ist auch die Facade eines Hauses 
in Colmar (Fig. 70), deren Malereien nur theilweise erhalten 
sind. Eins der vollständigsten und reichsten Prachtstüeke bietet 
dagegen das Haus zum Ritter in Schaffhausen, von Tobias 
Stimmer gemalt, vom Jahre 1570. Die kühn verkürzte Gestalt 
eines Curtius zu Ross bildet hierrden künstlerischen Mittelpunkt, 
der das Ganze beherrscht. Auch das Haus zum Käfig ebendort 
hat eine gemalte Facade. Eine ganze Reihe solcher Facadeir, 
freilich zum Theil in späterer Zeit erneuert, sieht man in Stein 
am Rhein, darunter besonders das Haus zum Weissen Adler 
(Fig. 66). Ganz Augsburg muss noch im Ausgang des 16. Jahr- 
hunderts einen farbigen Eindruck gemacht haben, wie wir aus 
zahlreichen Zeugnissen wissen. Wenig ist davon erhalten, am 
bedeutendsten wohl das Weberhaus an einer Ecke der Maxi- 
miliansstrasse, besonders im Obergeschoss durch eine gemalte 
korinthische Saulenhalle ausgezeichnet. Sie erinnert an die gross- 
artigen architektonischen Hintergründe auf den Gemälden der 
venetianischen Schule. In einem Hofe des Fuggerhauses eben- 
falls ausgezeichnete Reste von Wandgemalden, namentlich herr- 
liche graue Arabesken auf dunkelblauem oder schwarzgrauem 
Grunde, dann ein prächtiger Fries und eine Anzahl historischer 
Scenen, dies Alles leider arg zerstört. 
In manchen Fallen begnügte man sich mit grau in g-rau 
ausgeführten Darstellungen, wie an der Residenz in München
        

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