Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312295
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III. Buch. 
Die Renaissance in Deutschland. 
Allgemeiner Theil. 
bisweilen geht, zeigt das Beispiel von einem Hause aus Dinkels- 
bühl (Fig. 55), wo Hermen, Consolen und andere Elemente des 
monumentalen Quaderbaues aufgenommen sind. Von einem an- 
dern Hause zu Halberstadt geben wir in Fig. 54 die charakter- 
volle und schöne Ausbildung der Balkenköpfe und der Quer- 
hölzer. 1) Ausführlicheres über diese Bauten später, in den be- 
treffenden Kapiteln. 
Endlich ist noch einer andern Gattung von Facaden zu ge- 
denken, welche Deutschland von Italien aufnahm und in eigen- 
thümlicher Weise ausbildete: der gemalten Faeaden. Sie sind 
vorzugsweise da zur Anwendung gekommen, wo kein Material 
für Quaderbau vorlag, und keine Neigung vorhanden war, Terra- 
eotten statt dessen zu verwenden. So namentlich in Augsburg und 
Ulm, wo die Anschauung der gemalten Faeaden oberitalienischer 
Städte den weit gereisten Kaufleuten und Künstlern geläufig 
War. Aber auch in Orten, denen ein gutes Steinmaterial nicht 
fehlte, wie in Basel, Schaffhausen und anderen Stäidtenr der 
Schweiz und des Oberrheins, griff die Farbenlust der Zeit zu 
diesem heiteren Mittel der Deeoration. Zu den Ersten, welche 
diese Sitte künstlerisch ausgeprägt haben, gehört Hans Holbein. 
Wir wissen von ihm, dass er in Luzern und Basel Faeaden ge- 
malt hat, die allerdings untergegangen sind; aber von den Ent-- 
Würfen seiner Hand, welche dieses Gebiet betreffen, haben wir auf 
S. 59 unter Fig: 2 eine Anschauung gegeben und fügen in Fig. 56 
ein weiteres Beispiel hinzu. Dort tritt deutlich hervor, dass die 
Facadenmalerei in den meisten Fallen die Aufgabe hatte, die 
Unregelmassigkeiten des Aufbaues zu verdecken, indem sie das 
Gerüst einer idealen Architektur über die Flache warf; und das- 
selbe nicht blos mit ornamentalen Gebilden, sondern auch mit 
üg-ürlichen Compositionen ausfüllte. Begebenheiten der h. Schrift 
und der profanen Historie, der Sage und des antiken Mythos, 
Gestalten des Alterthums und der Bibel, Allegorisehes, ja selbst 
Genre-scenen des wirklichen Lebens werden dabei bunt gemischt. 
Alles was in der erregbaren Phantasie der Zeit gährt, kommt 
dabei zu Tage, den ersten Rang jedoch behauptet das klassische 
Alterthum mit seinen Göttergestalten und mehr noch mit seinen 
geschichtlichen Helden. Der künstlerische Charakter dieser Dar- 
stellungen wurzelt in einer kräftigen Polychromie. Man liebt es, 
die Ornamente der Pilaster und Friese hell von einem farbigen 
Q Die beiden Abb. aus Ha-lberstadt verdanke ich der Güte des Herrn 
Arehrtekten Schröder in Hannover.  9) Vgl. besonders das musterhafte 
Werk Von E. Gladb ach, der Schweizer Holzstil. Darmstadt 1868. fol.
        

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