Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312244
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Gesammtbild der deutschen Renaissance. 
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mit nachgeahmten Metallbeschlägen. Aber die solide Construc- 
tien und ein Ausdruck von derber Gediegenheit und üppiger 
Kraft verleihen diesen Werken doch einen Reiz. Als Beispiel 
geben wir die hintere Facade vom Zeughaus zu Danzig (Fig. 50). 
Ungleich grössere Ausdehnung hat eine dritte Art architek- 
tonischer Behandlung, welche in hervorragender Weise einen 
deutschen Charakter tragt: die Verwendung der Holzconstruction, 
und zwar in Verbindung mit dem Stein, im Faßhwerkbßll- Die 
Vorliebe für Verwerthung des: Holzes zu künstlerischen Arbeiten 
Steckt tief im deutschen Volksgeist. In der Plastik zeugen dafür 
die zahlreichen Schnitzwerke an Altaren und anderen Stellen; in 
der Architektur beherrscht der Fachwerkbau fast alle Gebiete 
Deutschlands und hat sich niemals von dem vornehmen Stcinbau 
ganz verdrängen lassen. Wiesehr der Holzhau von Haus aus 
deutsch, der Steinbau römisch ist, bezeugt schon die Sprache, 
Wvelche für Bauen ursprünglich nur "Zimmern" kennt, während 
die Worte Mauer, Kalk, Mörtel, Ziegel, Pflaster sämmtlich latei- 
nischen Ursprungs sind. Die Gegenden, in welchen diese ur- 
deutsche Bauweise ihre reichste und glanzendste Blüthe erlebt 
hat, sind im nördlichen Deutschland die Gebiete des Harzes und 
seiner Abdaehungen. In Städten wie Braunschweig, Hildesheim, 
Goslar u. a. sind noch jetzt zahlreiche Beispiele vorhanden!) 
Die Herrschaft des gothischen Stils ist an diesen naiven Schöpf- 
llngen des Volksgeistes zwar nicht unbemerkt vorüber-gegangen; 
aber erst während der Renaissance-Epoche erfährt der Holzhau 
seine reichste Ausbildung. Bisweilen geht die Aneignung der 
RGIIaiSSanQefQI-men sogar zu weit, so dass der Holzhau nicht 
selten zu einer unberechtigten Nachahmung des Steinbaues wird. 
Eins der merkwürdigsten Beispiele vollständiger Uebersetzung 
des Steinstils mit seiner ganzen Ornamentik in den Holzhau bietet 
die Facade eines Wohnhauses zu Frankfurt ajM., welche wir 
ini X Kapitel bringen, und die bis zur völligen Verleugnung der 
Construction geht. Nur an den vorgekragten Geschossen erkennt 
luan den Holzhau. Im stricten Gegensatze dazu steht die Mehr- 
zahl der Holzbauten Norddeutschlands, des Rheingebiets und des 
deutschen Südwestens. Die Elemente der Faehwerkconstrllßilßll 
Werden oft in einer geradezu naiven Weise zur Geltung gebraßhtv 
wie an dem Hause zu Eppingen?) bei Heilbronn vom Jahre 1582, 
Welches nur an den Eckeonsolen und dem mittleren Hauptständer 
i) Vgl. die schöne Publication von C. Bötticher: die Holzarchitek" 
im" des Mittelalters. Berlin. fol.  Q) Die Zeichnung ist mir durch die 
Güte des Herrn Malers Weysser in Carlsruhe mitgetheilt. 
Kugler, Gesch. d. Baukunst. V. 13
        

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