Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312208
Kap" 
Gesammtbild 
der 
Renaissance. 
deutschen 
189 
Renaissance sich in Deutschland einbürgerte, blieb man im Norden 
noch lange Zeit der Gothik treu, so dass dort von einem Ueber- 
gällgsstil kaum die Rede ist. Später hatte die schulmassige Ver- 
Wentlung der antiken Formen, die hauptsächlich vom Quaderbau 
ausgegangen war, sich überall so verbreitet, dass man in jenen 
Gegenden, wo dies Material von der Natur versagt war, fast 
ungemein auf die Nachbildung desselben in Stuck verfiel; w" 
man nicht in einzelnen Fällen zu dem LuxllS sich verstieg, sich 
Steine von fernhei- kommen zu lassen, wie es wohl in den reichen 
Hallsestädten, in Bremen, Lübeck und Danzig geschah. Nur in 
91116111 kleinen Gebiete des deutschen Nordens, in Mecklenburg 
und den angrenzenden Gegenden blieb man der heimischen Bau- 
Weiße treu und errichtete eine Anzahl prächtiger Gebäude, bei 
Welchen man die Flächen zwar mit Putz verkleidete, aber die 
Pßrtale und Fenster mit ihren Einfassungen, die Gesimse und 
Frißße und die übrigen ornamentalen Theile in gebrannten Steinen 
flusführte. Das Hauptwerk dieser Architektur ist der Fürstenhof 
In Wismar. Unsere Abbildung (Fig. 49) giebt ein Beispiel von 
51er reichen Wirkung dieses Stils. Sein Hauptverdienst besteht 
lreilich in der Flächendeeoration, und die Bekleidung der Pilaster, 
de? Fensterpfeiler und Bögen mit feinem Laubwerk ist von 
hohem Reiz. Auch die zahlreich in Friesen angewandten Portrait- 
llletlaillons zeichnen sich durch Feinheit und Schärfe aus. Dagßtaißn 
hat Sich freilich der ganze barocke Geschmack der Zeit in den 
Karyatiden und Atlanten, welche als Hermen die Fenster und 
Portale einfassen, nicht verleugnet, und die architektonische 
COIIIposition, besonders die Verbindung der Fenstergiebel mit 
dem übrigen Theil der Umrahmung leidet an auffallenden Här- 
ien- AGhIIllGDGT Alt war vor seiner Erneuerung das Schloss zu 
Schwerin. Andere Beispiele die Schlösser von Gadebusch 
und von Dargun. 
In den grossen Handelsstädten Norddeutschlands wurde die 
Renaissance mit Eifer aufgenommen. und für öffentliche W16 
Privatzweclae reichlich verwendet. Wo man zu diesem ZWßCk 
(He Kosten nicht scheute, von fernher Steine zu beziehen  in 
Danzig liess man gelegentlich ganze Marmorfaeaden von Venedig 
kommen  da schloss man sich auch in den Formen dem ander- 
wäYtS Ueblichen an. In vielen Fällen aber zog man es vor, 
lfßsonrlers die öffentlichen Bauten in gemischter Weise aufzu- 
führen, so dass die Flächen aus unverputztem Backstein be- 
stehen, die constructiven Glieder aber, die Einfassungen der 
Fenster und 'l'hüren, die Gesimse, Pilaster und Verwandtes in 
Haustein gebildet werden. Die Heimath dieses Stils ist in den
        

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