Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312159
184 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Allgemeiner 
Form, welche das Mittelalter ihm gegeben hatte, wird er mit 
Voluten, hornaitigen Schweifen und anderen phantastischen For- 
men umkleidet, wobei namentlich wieder die Nachahmung von 
Metallbeschlägen eine grosse Rolle spielt. Die Giebelwand wird 
in der Regel duch Pilasterstellungen gegliedert und durch kräf- 
tige Gesimse in mehrere Geschosse getheilt. Auf die vorsprin- 
genden Ecken werden, in freier Umbildung gothischer Fialen, 
Obelisken, aber auch wohl Kugeln, gestellt. Ein ausgebildetes 
Beispiel von einem Privathaus zu Nürnberg in Figur 47. In 
andern Fällen, wo die Anordnung der Fenster keine weitere 
Theilung; gestattete, wird der Giebel wenigstens durch Pilaster 
eingerahmt. So an dem Katharinenspital zu Heilbronn (Fig. 96). 
Den oberen Abschluss bildet entweder Volutenwerk mit krönen- 
dem Obelisk, oder wie an dem Nürnberger Hause ein durch- 
brochener Giebelaufsatz. Die Mannigfaltigkeit in der Ausbildung 
dieser Giebel, die sichtlich das Lieblingsstück der damaligen 
Architekten waren und aus dem bürgerlichen Wohnhause des 
Mittelalters mit in die Renaissance hinüber-genommen wurden, 
ist überaus gross. Beispiele geben wir unter Anderm in Privat- 
hausern von Colmar (Figz 46), Cannstadt (Fig. 94), dem Peller- 
haus zu Nürnberg (Kap. X), dem Rathhaus zu Gernsbach 
(Fig. 75), dem Lusthaus zu Stuttgart (Fig.  Zu den statt- 
lichsten Faeaden dieser Art gehören das Haus zum Ritter in 
Heidelberg, das sogenannte Rattenfängerhaus und das Hochzeit- 
haus zu Hameln, das Leibnitzhaus zu Hannover, das Gewand- 
haus zu Braunschweig u. a. m. Ein Prachtbeispiel bietet So- 
dann noch der Friedrichsbau zu Heidelberg (Fig. 48), wo der im 
Giebel in französischer Weise dem abgewalmten Dachevorgesetzt 
ist. Im Uebrigen begegnet uns diese Anordnung in Deutschland 
selten; wo sie auftritt, ist es meist eine Nachwirkung mittel- 
alterlicher Sitte. Nirgends kommt sie aber hier zu dem aus- 
schweifenden Gebrauch wie in Frankreich, WO oft die Architektur 
erst über dem Kranzgesimse beginnt, und die Bauten im Ueber- 
maass mit einem Walde phantastischer Dacherker, Lucarnen, - 
Kamine u. s. w. gespickt werden. 
Wo in andern Fallen ein Gebäude nicht seinen Giebel, son- 
dern die Langseite der Strasse zuwendet, da werden nur aus- 
nahmsweise wie am Rathhaus und dem Fürstenhaus zu Leipzig 
solche kleinere Giebel aufgesetzt; die Regel ist vielmehr auch 
hier, das Dach unmaskirt zu zeigen, und es etwa durch bunt- 
glasirte Ziegel zu deeoriren, Wie am Rathhaus zd Mühlhausen 
(Fig-öß). Die Kranzgesimse bleiben auch in solchen Fallen 
meistens einfach, und die deutsche Renaissance hat nirgends so
        

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