Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310359
III. 
Buch. 
Renaissance 
Deutschland. 
Allgemeiner 
Theil. 
behalten, zu den letzten Quellen geistigen Lebens hinabsteigend 
zu neuer Auffassung des religiösen Glaubens und damit zur Um- 
gestaltung des ganzen Daseins durchzudringen.  
Während nun die romanischen Völker,  Italien und Frank- 
reich, sowie Spanien  nicht im Stande sind, von der kirch- 
lichen Reformation Deutschlands sich die grossen Resultate an- 
zueignen, "ist es umgekehrt Deutschland beschieden, von der 
künstlerischen Renaissance Italiens durchgreifende Einflüsse auf- 
zunehmen und daraus eine neue Kunst zu entwickeln, in welcher 
das südliche Schönheitsgefühl mit germanischer Tiefe und Kraft 
einen Bund eingeht. Aber die Aufnahme der Renaissance und 
ihre selbständige Verarbeitung nimmt in Deutschland einen ande- 
ren Weg als in Italien und Frankreich. Während in Italien die 
Kunst ein gemeinsames Interesse der ganzen Nation ist, so dass 
alle Stände, alle Lebenskreise daran schaflfend und fördernd Theil 
nehmen, während in Frankreich die Renaissance in erster Linie 
nur eine Angelegenheit des Hofes bleibt und durch die Fürsten 
herbeigeführt und gepliegt wird, geht sie in Deutschland aus- 
schliesslich aus den Kreisen der Künstler, also aus den bürger- 
lichen Sphären hervor. Von da aus freilich Weiss sie allmählich 
das ganze Dasein mit durchdringender Kraft zu erfassen und zu 
erfüllen. Es spiegeln sich aber in diesen Verhältnissen mit merk- 
würdiger Schärfe die staatlichen und gesellschaftlichen Zustände, 
die wir nun zunächst zu beleuchten haben. 
Der Grundgedanke des Mittelalters war die 'l'heokratie, die 
Verwirklichung eines „Gottesreiehes auf Erden". Aber die Aus- 
führung dieser ldee musste an der Macht der thatsaehlichen Ver- 
hältnisse scheitern, und nur so viel blieb als Ergebniss, dass eine 
auf die Dauer unerträgliche Hierarchie sich erhob und mit der 
weltlichen Qewalt in unaufhörliche Konflikte gerieth. Aus alle- 
dem entwickeln sich mit Nothwendigkeit Verhältnisse so ver- 
worrener Art, dass die fortschreitende freiere Entfaltung des 
Lebens nicht ferner mit ihnen bestehen konnte. Man musste zu 
einfacheren, klareren Verhältnissen kommen. So sehen wir in 
fast allen Ländern Europas gegen Ausgang des Mittelalters die 
Staaten sich concentriren, ihre Kraft in ein mächtiges Königthum 
zusammenfassen. Während in Spanien Ferdinand und Isabella 
die Vereinigung der getheilten Königreiche vollbringen, während 
in Frankreich seit Ludwig XI die monarchische Concentration 
mit steigendem Erfolge durchgeführt wird, Während endlich Eng-
        

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