Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1312129
KRIP 
Gesammtbild 
der deutschen 
Renaissance. 
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zierung-en behält das Vegetative, gemischt mit Figürlichem, die 
Überhand. Allein gezwungen, mit den übrigen ungemein kräf- 
tigen Formen zu wetteifern, wird auch hier die zierlichere Vor- 
tragsweise der früheren Zeit verlassen, die Formen werden 
grösser und loreiter, und es verbindet sich mit dem AkmlthllS, 
der noch immer die Grundlage bildet, naturalistisches Laub 
sanmrt Blumen- und Fruchtschnüren, so dass wohl ein reicherer 
Eindruck erzielt wird, aber auf Kosten der Reinheit des Stils. 
Dazu gesellt sichlmannigfache Anwendung von Volutcn und ähn- 
lichen geschwungenen Linien, in welchen wieder der Hang zu 
geometrischen Formen hervortritt. Ein Beispiel dieser Art ge- 
währt die aus Stuck und Malerei zusammengesetzte Decoration 
aus der Residenz zu München, welche wir unter Figur 45 mit- 
theilenß) Auch das Glasgemälde aus der Residenz (Fig. 28) zeigt 
ähnlichen Formcharakter. 
Noch schärfer prägt sich die deutsche Eigenthümlichkeit aus 
in der Composition der Facaden. In Italien war der Horizontal- 
bau beim ganzen Idaeadenbau das Herrschende. Kräftige Gesimse 
scheiden die Stockwerke und ein noch reicheres Kranzgesims 
giebt den oberen Abschluss. Dieser Horizontaltendenz gegenüber 
werden die verticalen Linien nur massig betont, und selbst wo 
sie in der späteren Entwicklung durch Säulen und gekuppeltc 
Systeme kräftiger hervortreten, werden sie durch entsprechende 
Verstärkung- der Horizontalgesimsc wieder im Zaum gehalten. 
Breit lagern sich die Massen der Paläste hin, die einfacheren 
Häuser streben sich dem Palaststil zu nähern und selbst bei 
den Kirchen wird der Hoehbau nur in bedingter Weise zuge- 
lassen. Frankreich nimmt die wesentlichen Elemente dieser Com- 
position von Italien auf, giebt aber in den hohen Dächern, den 
zahlreichen üThürmcn, Pavillons und Erkern der Verticaltendenz 
fast Gleichberechtigung. Aber die Facaden behalten nach ita- 
lienischer Weise den horizontalen Gesimsabschluss, in der Regel 
noch durch Balustraden verstärkt, denn die Dächer werden über- 
all abgewalmt, gewinnen jedoch durch zahlreiche kleine Dach- 
erker mit Gicbeln (Lucarnen) eine nähere Beziehung zur Facadc 
und eine weitere Betonung des Verticalen Elements. 
Ganz anders in Deutschland. Der gesammte Faqadenbau 
geht hier auf die Form des mittßlalterlighßn Bürgerhauses zurück. 
Hoch und schmal aufragend kehrt das Haus in der Regel seinen 
steilen meistens abgctrepimten Giebel der Strassc zu. Dadurch 
in 
 Ich verdanke diese schöne Zeichnung Herrn Baubeamten F. Seidel 
München, welcher eine Veröffentlichung der Residenz vorbereitet.
        

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